Deep Purple (c) Roland Aust

Interview mit Roger Glover von Deep Purple

Einen derart freundlichen, sympathischen und interessanten Interviewpartner wie Roger Glover trifft man wirklich nur ganz selten. Der legt bekanntlich (mit ein paar Unterbrechungen) seit rund 50 Jahren das Bassfundament bei Deep Purple, hat alles gesehen und alles erlebt und ist dabei ein Gentleman durch und durch geblieben. Und so entwickelt sich ein wunderbar zwangloses Gespräch anlässlich der Veröffentlichung des neuen Deep Purple-Albums „inFinite“, das ein paar essentielle Fragen aufwirft.

event.: Die große Frage, die im Raum steht, lautet natürlich: Ist „inFinite“ das finale Purple-Album und wird nach der „The Long Goodbye“-Tour wirklich Schluss sein?

Roger Glover: So ganz genau wissen wir das selbst nicht. Wir wollten eben andeuten, dass im Fall Deep Purple das Ende wohl näher liegt als der Anfang (schmunzelt).

Sind Deep Purple die Letzten ihrer Art?

Sie sind einer der Letzten Ihrer Art. 50 Jahre währende Musikerkarrieren wird es nicht mehr geben.

Ja, und ich fühle mich auch sehr privilegiert. Ich bin selber überrascht, dass ich immer wieder auf die Füße gefallen bin, denn es gab auch harte Zeiten. Wir haben aber als anfingen wie alle gedacht: Wenn wir ein Jahr durchhalten, wäre das schon was, wenn wir fünf Jahre durchhalten, wäre das toll. 50 Jahre durchzuhalten ist natürlich der Jackpot. Es waren aber auch andere Zeiten. Wenn du heute mit 15 deine erste Gitarre bekommst und mit 16 noch keinen Hit hattest, bist du ein Loser.

Was war die Erfolgsformel von Deep Purple?

Wir waren nie eine wirklich Chartband, wir waren und sind eine Liveband, das ist unser Leben. Alben aufzunehmen war für uns immer am ehesten ein notwendiges Übel, so nach dem Motto „Keine Ahnung, lasst uns einfach ein paar neue Songs zusammenjammen“. Aber wir waren auch immer eine gut eingespielte Einheit.

„Die menschliche Kreativität ist unerschöpflich“

Mit dem 2013er-Album „Now What?“ und dem neuen „InFinite“-Album hat die Band auch bewiesen, dass sie noch als kreative Einheit funktioniert.

Das hat auch mit unserem jetzigen Produzenten Bob Ezrin zu tun, der die unbedingt mit uns machen wollte. Er hatte uns live gesehen und er wollte genau diese Energie einfangen und er hat uns wie in den alten Zeiten aufgenommen. Das heißt, die ganze Band befindet sich im selben Raum und spielt zusammen. Und es gab auch diese Situationen nicht, in denen Du 28 Takes spielst, bis es dann irgendwie passt. Wenn es bei uns nach zwei Takes nicht gepasst hat, dann haben wir den Song beiseite gestellt und ihn am nächsten Tag noch mal probiert. Es ging alles sehr schnell und spontan. Die menschliche Kreativität ist ohnehin unerschöpflich, man hat immer irgendeine Idee und dann setzt man sie eben um. Ich kann mich noch erinnern, dass ich als Kind einmal vor einem Kinoplakat stand und mich fragte, wie es wohl weitergehen würde, wenn die Filmtitel zur Neige gehen würden. Aber das wird nie passieren.

Die Sessions wurden ja auch filmisch dokumentiert („From Here To InFinite“ hatte am 16. 3. Deutschlandpremiere).

Ja, das Ergebnis war recht aufschlussreich in etwa wie „Aha, so machen wir das also.“ Ian (Gillan, der Sänger) hasst es ja gefilmt zu werden, er schaut sich auch nie Live-Videos oder so etwas an, aber sogar er findet den Film ganz gut.

Was war eigentlich ihr frühester Anstoß, es selbst mit der Musik zu versuchen?

Als ich noch ein Teenager war, da wohnte Bruce Welch von den Shadows in unserer Gegend und die Shadows waren damals das große Ding. Und ich hing mit einem Kumpel öfter vor seinem Haus rum und versuchte einen Blick auf mein Idol zu erhaschen und eines Tages kam er tatsächlich raus, sah uns und sagte nur: „Jungs, kommt rein!“ Drinnen bekam jeder von uns einen Apfel und was zu trinken und er unterhielt sich ganz normal mit uns, wer wir wären und was wir so täten. Und ich merkte, dass man kein übermenschliches Wesen sein musste, um Musiker zu sein. Kurz darauf bin ich in die Schulband eingetreten und da fehlte ein Bassist … und der Rest ist Geschichte …

Deep Purple sind noch bis Mitte Juni auf Tour:
06.06. Köln, Lanxess-Arena
07.06. Dortmund, Westfalenhalle 1
09.06. Leipzig, Arena Leipzig
10.06. Frankfurt, Festhalle Frankfurt
13.06. Berlin, Mercedes-Benz-Arena
14.06. Stuttgart, Schleyer-Halle

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Und hier noch das neueste Video von Deep Purple:

 

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