Till Brönner und Dieter Ilg (c) Chris Noltekuhlmann

Till Brönner und Dieter Ilg im Interview

Till Brönner und der Bassist Dieter Ilg stehen zwar bereits seit einigen Jahren immer wieder gemeinsam auf der Bühne, doch erst jetzt haben die beiden es geschafft auch ein gemeinsames Album aufzunehmen. Hierzu zogen sich die beiden Jazzmusiker in ein abgelegenes Hotel in den bayerischen Alpen zurück. Wir sprachen mit ihnen über den Entstehungsprozess und die Tournee.

Ihr habt Eurer Album „Nightfall“, also nach einem eher ruhigen und lässigen Stück, benannt …

Till Brönner: Ich glaube der Titel ist eher von der Stimmung, die wir nach einem längeren Tag bei den Aufnahmen in den Alpen spürten, abgeleitet. In den Pausen haben wir immer wieder auf das Bergmassiv geblicktt und dort zwanzig Mal einen anderen Berg entdeckt, weil die Aussicht, der Eindruck, das Licht und die Entfernung immer wieder wechseln. Eine beindruckende Kulisse. Ich glaube, es wäre schade gewesen, wenn wir den Aufnahmeort, nicht hätten einfließen lassen können. Es war eine der angenehmsten Aufnahmen, die ich je erlebt habe. Natürlich war auch die Konfrontation zwischen uns beiden, bei der wir nichts auf jemand anders schieben konnten, als auf uns selbst, eine sehr intensive Erfahrung. Ich würde das jederzeit wieder machen.

Wie kam es zu der Idee, genau hier ein Album aufzunehmen?

Dieter Ilg: Weil wir, dachten, das könnte für uns genau das Richtige sein. Dann haben wir dort den Raum gefunden, der als Studio perfekt geeignet war. Wir haben uns dabei von dem leiten lassen, was in dem Moment musikalisch auf uns zukam. Also erst an dem Ort, aus dem Moment heraus, entschieden, was wir aufnehmen werden, nicht vorher. Wobei man natürlich nicht vergessen darf, dass es eine gemeinsame Vergangenheit gibt, und zwar in Form einer langjährigen Zusammenarbeit als Duo seit einigen Jahren und wir kennen uns ja bereits seit 25 Jahren. So gesehen ist die Platte jetzt keine Überraschung, obwohl es überraschend ist, in dem Sinne, weil es die Konzentration auf die kleinstmögliche Einheit ist. Wenn man diese Band, bestehend aus zwei Menschen, auseinanderbringt, dann ist jeder alleine.

Till Brönner: Für mich war es das Höchstmaß an Konzentration, das ich jemals aufbringen musste. Das liegt nicht daran, dass ich zu wenige Aufnahmen gemacht habe, im Gegenteil. Es ist in dieser Konstellation nicht möglich, die Gesamtperformance zu beobachten und dahingehend auch am Ende in Sinne der Musik die Entscheidung von sich weg zu treffen, was jetzt besser ist. Ich habe gleich am Anfang der Aufnahmen gemerkt, dass nur der Hauch einer Konzentrationsschwäche von meiner Seite auch prompt bestraft wurde. Aber nicht im negativen Sinne, sondern eher als Ansporn. Wir sprechen hier von einem Dialog. Steigt nur einer aus, ist es keiner mehr. In einem größeren Bandgefüge kann auch mal jemand drittes das Steuer übernehmen.

Dieter Ilg: „Nur eine Momentaufnahme“

Was war die größte Überraschung bei den Aufnahmen?

Till Brönner: Interessant war für mich, was wir stehen gelassen haben. Was wir nach dem Durchhören als gegeben und unverrückbar empfunden haben. Es sind Entscheidungen für Musikstücke dabei herausgekommen, die sich beim Spielen noch nicht so angefühlt haben. Mit Abstand angehört waren wir aber positiv überrascht.

Dieter Ilg: Vergleichbar mit einem Foto, das du schießt. Da weißt du in dem Moment auch nicht, wie es aussehen wird. Du schaust dir hinterher die Bilder an und kannst wählen, welche dir am besten gefällt. So kann man es mit Aufnahmen theoretisch auch machen. In dem Moment, wo etwas entsteht, hast du eine Fragilität. Diese Empfindsamkeit ist immer eine Auseinandersetzung mit sich selbst: Ist man in dem Moment mit seinen Spiel zufrieden oder nicht? Wie fühlt sich das an? Wie objektiviere ich meine Gefühle? Oft hören sich die Aufnahmen am nächsten Tag anders an, als am Tag vorher. Und unter Umständen kann ich das dann objektiver beurteilen, fern von den Momenten des Zweifels oder der Freude.

Hätten die Aufnahmen anders geklungen, wenn sie in LA, Berlin oder Freiburg entstanden wären?

Dieter Ilg: Vielleicht, vielleicht auch nicht, es ist ja nur eine Momentaufnahme. Der Ort ist sicher wichtig, aber wichtiger ist, dass wir uns konzentrieren können. Das wäre an einem anderen Ort sicher auch passiert, aber mit einem anderen Ergebnis. Es ist dem Moment geschuldet und der Moment ist der Ort, an dem man ist. Wobei wir natürlich im Keller waren, in einem fensterlosen Raum. Es war eine klassische Studiosituation an einem außergewöhnlichen Ort.

Till Brönner: „Man kann nicht sagen, was passieren wird“

Das ungewöhnlichste Stück ist „Ach bleib mit deiner Gnade“, das einen sehr sphärischen Overdub beinhaltet. Habt ihr das auch vor Ort erst aufgenommen.

Till Brönner: Wir haben alles dort aufgenommen, uns also nicht vorbereitet. Am Tag eins war nicht klar, was am letzten Tag aus welchen Ressourcen heraus entwickelt sein würde. Am Schluss gabe es auch das Britney-Spears-Cover, vielleicht das produzierteste Stück Musik des Albums. Was aber erst in diesem Moment Baustein auf Baustein so entstanden ist. Aus keiner anderen Quelle als den Instrumenten in der Hand einen Ton generieren, so etwas mag ich. Ein roter Faden sozusagen. „Ach bleib mit deiner Gnade“ zum Beispiel geht zurück auf unser beider Herkunft, mag sie protestantisch oder katholisch sein. Das Stück selbst geht auf etwas Protestantisches zurück. Die doch frappierenden Qualität und Klarheit von Volksliedern oder Kulturgut aus unseren Landen, hat uns dazu bewogen auf diesem Stapel zu forschen , ob es hier etwas gibt, das sich zu interpretieren lohnt.

Ihr geht im Januar mit „Nightfall“ auf Tour. Wie sehr werden sich die Stücke, von dem was auf dem Album ist, unterscheiden?

Dieter Ilg: Wir werden die Stücke natürlich nicht Ton für Ton nachspielen. Aber wir werden sie im gleichen Gestus spielen, sprich: Die Stimmung des Stückes wird mit Sicherheit erhalten bleiben. Es macht natürlich den Jazzmusiker oder den improvisierenden Musiker aus, dass es, unter Umständen auch abhängig vom Ort und den Tagesaktualitäten, anders klingen mag, aber immer noch dasselbe Stück bleibt. Aber ich denke, dass vieles davon in der Art und Weise so gespielt wird, so dass man es noch erkennt. Das wäre auch sonst vollkommene Willkür. Was dann bei den Konzerten noch passiert. also an zusätzlichem Material oder an Weiterentwicklungen, ist ja dann auch das, was es so spannend macht ein Konzert zu besuchen.

Till Brönner: Man kann nicht sagen, was passieren wird. Wir spielen mit diesem Konzept ja seit zehn Jahren live, wobei es sich durch die Aufnahmen natürlich verändert hat und sich für diese Tournee weiter verändern wird. Ich glaube, dass man nicht fürchten muss, mit diesem Projekt irgendeine Bühne zu betreten. Doch es empfiehlt sich dies ausgeschlafen zu tun (lacht).

Termine:
31.01. CH-Zürich, Neumünster Kirche
25.02. Köln, Philharmonie
26.02. Kreuztal, Stadthalle
27.02. Datteln, Stadthalle
01.03. Bremen, Glocke
02.03. Halle, Steintor Varieté
03.03. Dessau, Anhaltischen Theater
07.03. Berlin, Konzerthaus
21.03. Karlsruhe, Tollhaus
22.03. Hamburg, Laeiszhalle
28.04. Schwerin, Staatstheater
17.11. Waldshut, Sedus Werk Dogern
18.11. Lindau, Inselhalle

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Veranstalter: DEAG

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