Planet Erde II (c) Justin Anderson BBC NHU

Moderator Dirk Steffens im Interview zu Planet Erde II

Die BBC-TV-Serie „Planet Erde“ setzte 2006 neue Maßstäbe für Naturdokumentationen, ebenso wie die nachfolgende Idee ausgewähltes Material mit Orchesterbegleitung auf riesige Leinwände zu projizieren – eine überwältigende Erfahrung! Die nun eine Neuauflage erlebt, mit neuem, sogar noch sensationellerem Material, die Musik stammt diesmal von Hans Zimmer (neben Jacob Shea und Jasha Klebe) und die Moderation übernimmt nun Dirk Steffens – bekannt durch „Terra X“, selbst Naturfilmer und UN-Dekade-Botschafter für Bio-Diversität. Ein Mann vom Fach also und ein ausnehmend sympathischer und kompetenter Interview-Partner.

Eigentlich könnte man sich ja wundern, warum Sie nicht schon bei der Erstauflage mit von der Partie waren. Ein passenderer Kommentator ist ja kaum vorstellbar …

Dirk Steffens: Das sehe ich ganz genauso (lacht). Dieser Job fühlt sich für mich wie eine ganz natürliche Tätigkeit an – wie ein Tier, das einfach tut, was es tut (lacht). Ich weiß nicht genau, woran es vorher gelegen hat, aber jetzt darf ich ja. Und das freut mich sehr.

Wie darf man sich die Ihre Arbeit an diesem Projekt vorstellen? Die Erstellung der Moderationstexte, die Proben?

Es gibt natürlich vorgegebene Konzepte von der BBC, aber diese Produktion läuft ja auch in vielen anderen Ländern und da muss man in meinem Fall dann natürlich auch buchstäblich seine eigenen Worte finden. Ich werde meinen Part ganz konkret bei Proben in Finnland festlegen, wo ich auch die Gelegenheit haben werde, die Musik und die Arrangements des Orchesters kennenzulernen. Da werde ich dann auch festlegen, was ich eigentlich erzählen möchte und mein Hauptanliegen wird es dann sein, zu erklären, wie die Produktion von Tierfilmen eigentlich funktioniert. Ich bin ja vom Fach (lacht).

Ich möchte ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern, wie das eigentlich wirklich so ist, wenn man da mit einer Kamera versucht, diese Art von Aufnahmen einzufangen. Wie fühlt sich das an? Mit welchen kleinen Tricks und Raffinessen muss man arbeiten? Das alte Klischee vom „einsamen Kameramann, der monatelang in einem Erdloch hockt“, beschreibt die Tierfilmerei schon lange nicht mehr richtig.

„Planet Erde II“ als neue Benchmark

Aber abenteuerlich wird es ja manchmal doch. Ich habe da diese Geschichte von Ihnen und Ihrem Kameramann und den Bären in Kanada gelesen.

Oh ja, wir haben sie da beim Lachse fangen gefilmt und waren auf einmal von drei Bären umzingelt. Das Ganze wurde dann so bedrohlich, dass ich mein Abwehrspray versprüht habe, aber genau in diesem Moment kam eine Windböe auf und mein Kameramann bekam alles in die Augen. Seine Schmerzensschreie haben dann die Bären vertrieben.

„Planet Erde II“ scheint ja die Grenzen des bislang filmisch Machbaren noch einmal zu verschieben. Wie darf man sich diese technische Evolution vorstellen?

Es gibt im Naturfilm zwei Trends. Es gibt die Filme, die in einem durchaus politischen Kontext aufklären wollen und dann gibt es die Filme, die einfach immer wunderbarer, schöner und aufwendiger produziert sind. Dazu gehört „Planet Earth II“. Das ist die neue Benchmark, die Referenz, an der sich ab jetzt alle anderen Naturfilme dieses Genres messen lassen müssen. Der Naturfilm ist per se ein Trigger für neue Film-Techniken und ihre Möglichkeiten. Die Herausforderungen und die Umsetzungen ergeben sich aus dem Thema.

Wie realisiert man etwa eine Parallel-Kamerafahrt mit einem fliegenden Papageien? Dronen werden im Naturfilm schon seit vielen Jahren eingesetzt und auch die Miniaturisierung des Equipments ist auf diesem Gebiet ganz entscheidend vorangetrieben wurden. Und dann sind da natürlich die Fortschritte in der Wiedergabe. „Planet Erde II“ wird in 8k vorgeführt, das heißt, man könnte aus jedem Einzelbild einen kleineren Ausschnitt isolieren. Und wenn man den wiederum auf die große Leinwand projizieren würde, wäre auch der gestochen scharf und alle Details wären erkennbar.

Die Sehnsucht nach Ursprünglichkeit

Aber liegt in diesen immer perfekteren und überwältigenderen Event-Erfahrungen nicht auch ein wenig die Gefahr, dass der Zuschauer sich auch ein Stück weit von den ihm möglichen Naturerfahrungen entfremdet, einfach weil diese gar nicht so spektakulär sein können?

Das kann natürlich sein. Aber das Verschwinden von Natur aus unserem Alltag führt vielleicht ja auch dazu, dass man sich wieder nach Ursprünglichkeit sehnt. Auf der anderen Seite werden die visuellen Reize in unserem Alltag immer bestimmender und der Naturfilm muss da eben einfach mithalten. Was der Naturfilm diesem visuellen Overkill entgegenhalten kann, ist eine noch brillantere Abbildung der Schönheit der Natur. Und die BBC-Kollegen haben das so perfektioniert, wie noch niemand zuvor.

Es scheint da aber auch noch einen anderen Aspekt zu geben, nämlich das Bedürfnis, Live-Darbietungen auf einer Bühne gemeinsam mit vielen anderen Menschen zu erleben – vielleicht als Gegengewicht zu den immer und überall verfügbaren Informationen und Bildern, die man ganz für sich allein vom Handy abgreift. In diesem Fall hängt das authentische Erlebnis auch sehr mit der Musik zusammen, also dem großen Orchester und selbstverständlich kann man diese Erfahrung nicht beim Waldspaziergang machen, aber sie transportiert wichtige Information und eine wichtige Botschaft.

Dirk Steffens: „Es gibt keine Alternative zum Optimismus“

Sie glauben also, dass man mit Projekten wie „Planet Erde II“ einen echten Bewusstseinswandel in Hinblick auf die offensichtlichen ökologischen Krisen und deren Folgen erreichen kann?

Oh ja. Ich glaube, es gibt zumindest in diesem Land keinen Menschen mehr, dem man erklären müsste, dass wir vor riesigen Problemen stehen. Und deswegen gibt es einerseits Filme wie „Planet Erde II“ – und andererseits investigative Aufklärung. Das ist kein Widerspruch, sondern ergänzt sich komplementär. Das eine weckt die Faszination und die Liebe zur Natur, das andere erklärt uns die Zusammenhänge und mögliche Lösungen. Es muss beides geben: die Hochglanz-Dokus und die kritischen Reportagen.

Trotzdem scheint sich die Faktenlage von Klimawandel bis hin zum Insektensterben ja stetig zu verschlechtern. Wie bewahrt sich jemand wie Sie, der diese Zusammenhänge ja versteht, da eigentlich seinen Optimismus?

Das ist ganz einfach: Es gibt keine Alternative zum Optimismus.

Das event.Magazin verlost Tickets zu Planet Erde II

Termine:
06.03. Berlin, Mercedes-Benz Arena
07.03. Hamburg, Barclaycard Arena
09.03. Hannover, TUI Arena
13.03. Köln, Lanxess Arena
16.03. Oberhausen, König-Pilsener-Arena
21.03. CH-Zürich, Hallenstadion
22.03. Nürnberg, Arena Nürnberger Versicherung
24.03. Stuttgart, Schleyer-Halle
26.03. Mannheim, SAP Arena
30.03. Frankfurt, Festhalle
31.03. Freiburg. SICK-Arena
01.04. München, Olympiahalle
02.04. AT-Wien, Stadthalle

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Veranstalter: FKP Scorpio