A Summer's Tale (c) Normen Gadiel

A Summer’s Tale: Interview mit Veranstalter Stephan Thanscheidt

Mit dem Summer’s Tale in Luhmühlen nahe Lüneburg hielt 2015 tatsächlich noch ein neues Konzept Einzug in die dicht gedrängte deutsche Festivallandschaft. Im Zentrum steht natürlich auch hier der Musikgenuss unter freiem Himmel, aber das Angebot richtet sich auch direkt an Familien, für deren Kinder hier ein rund um die Uhr-Betreuungspaket geschnürt ist. Und dann gibt es da noch dieses unglaublich vielfältige Zusatzprogramm, das nichts auslässt zwischen Comedy, Lesungen, Film, Workshops und Diskussionen. Wir sprachen mit Stephan Thanscheidt, Geschäftsführer des Veranstaltungsteams von FKP Scorpio, über diese Erfolgsgeschichte …

event.: Ist das Summer’s Tale eigentlich das Ergebnis seriöser Marktforschung, oder begann das Konzept eher als intuitive Idee, die Ihr dann einfach mal ausprobiert habt?

Stephan Thanscheidt: Von beidem ein bisschen. Folkert Koopmans, mein Geschäftsführungskollege und ich, überlegen uns durchgängig, wo es noch Lücken im Festivalangebot und Platz für neue Konzepte gibt, oder Zielgruppen, die wir noch nicht erschlossen haben. Als wir vor zehn Jahren mit dem Rolling Stone Weekender angefangen haben, das ja indoor am Ostseestrand in einer Ferienanlage stattfindet, haben wir gemerkt, dass es da noch Möglichkeiten gibt, die über die „normalen“ Festivalkonzepte hinausgehen. Genau da, wo die Angebote der „jungen“ Festivals aufhören, gibt es immer noch ein Publikum, das Festival-begeistert ist und das auch gerne kommt, wenn man ihnen eben die entsprechenden Angebote macht – z.B. was den Familienaspekt, den Service oder die Kulinarik angeht.

A Summer’s Tale – ein grünes Festival

Das, und ein umfangreiches Programm neben der Musik, das den Gast aktiv einbindet …

Wir haben speziell bei diesem Projekt einen deutlichen breiteren Fokus eingeführt. Natürlich haben wir eine Menge toller Künstler im Musikprogramm, keine Frage, aber da ist eben auch viel mehr. Wir präsentieren Lesungen, Kurzfilme, Poetry Slam, es gibt ein sehr diverses Activity-Angebot wie Kanufahren, Wanderungen oder Yoga und es gibt Workshops aller Art. Die Besucher können also ungeheuer viel erleben und eben auch erlernen. Das Kulinarische ist ebenfalls in den Fokus gerückt, das Essen ist qualitativ sehr hochwertig und es werden sogar eigene Weine und Biere nur für dieses Festival hergestellt. Das Angebot richtet sich also an eine etwas ältere Zielgruppe, die sich mehr Service und Komfort und auch ein etwas „erwachseneres“ Programm wünscht.

Der ökologische Aspekt ist ebenfalls sehr prominent.

Absolut richtig. Es handelt sich um ein grünes Festival, das sich sehr auf Nachhaltigkeit fokussiert und das ist auch von den Gästen so gewünscht. Und ein ganz wichtiger Aspekt ist eben der Familienfaktor. Man kann also nun auch mit den Kindern anreisen und für die gibt es eben auch eine ganze Menge zu tun und zu erleben. Und es ist nicht dieses typische All-Inclusive-Kinderprogramm, das wir hier bieten, sondern das ist schon eine wirklich coole eigene Welt für Kids. Wir haben Bands für Kinder, Theaterstücke für Kinder, sie können spielen, sich sportlich betätigen, sie können aber auch basteln, sie können zusammen Songs verfassen und zusammen singen, unser Betreuungsprogramm ist schon sehr umfassend. Und das wiederum gibt den Erwachsenen die Möglichkeit sich nach Herzenslust dem Kunst-, Musik- und Kulturprogramm zu widmen.

Es gibt immer noch Neues zu entdecken

Und trotzdem erscheint es unmöglich alle Programm-Angebote wahrnehmen zu können.

(lacht) … ja, das ist nur schwerlich möglich, weswegen wir gerade im kulturellen Rahmen- und Workshop-Programm auch einige Punkte wiederholen, um die Möglichkeit zu steigern alles Gewünschte zu erleben. Unsere Webseite bietet eine sehr gute Orientierung, um sich einen individuellen Zeitplan zu erstellen. Das Feedback der letzten Jahre zeigt, dass unsere Besucher die optimale Mischung für sich recht problemlos finden und das Festival genießen.

Ein paar der Workshop-Angebote kommen ja auch recht speziell rüber, nehmen wir mal Surf-Yoga …

Da probieren wir häufig einige Themen auch einfach mal aus und prüfen, wie solche Angebote angenommen werden. Alle Yoga-Zusammenhänge, haben in den letzten Jahren aber hervorragend funktioniert. Dieses Jahr haben wir z. B. den Bunte-Stulle-Workshop neu dabei, da geht es ganz banal um Butterbrote, aber eben auf ganz verrückte Art und Weise mit ungewöhnlichen Zutaten. Wir versuchen generell sehr viel Überraschendes anzubieten, das unsere Zielgruppe gezielt ansprechen könnte. Und es gibt sicher auch Gäste, denen solche Angebote zu „hippiemäßig“ oder zu esoterisch erscheinen mögen, aber die können das Summer’s Tale ja auch als ganz normales Musikfestival genießen. Alles in allem bieten wir Neues, das man so noch nicht auf einem Festival erleben konnte. Der Entwicklungsprozess ist in dieser Hinsicht auch lange noch nicht abgeschlossen, da es immer noch Neues zu entdecken gibt.

Der aktive Musik- und Kulturkurzurlaub

Wenn man denn überhaupt noch die Zeit findet, was erwartet einen dann musikalisch?

Wir versuchen ein möglichst hochwertiges und abwechslungsreiches Musikprogramm zu erstellen, das eben für unsere etwas erwachsenere Zielgruppe Sinn macht – obwohl natürlich auch die Jüngeren herzlich eingeladen sind. Wir wollen aber auch kein dezidiert „altes“ Festival machen, diese Gratwanderung aus Jung und Alt, diese Mischung aus etablierten und frischen neuen Acts ist uns wichtig und hat bisher auch wunderbar funktioniert.

Wird eigentlich auch den Künstlern bewusst, dass sie hier auf einem ganz besonderen Festival auftreten und wirkt sich das irgendwie aus? Oder leben die ohnehin in ihrer Backstage-Blase?

Es kommt schon vor, dass Künstler in einer Tournee-Blase leben, aber auf diesem Festival absolut nicht. Alle Künstler, die in den vergangenen drei Jahren hier aufgetreten sind, haben das Festival und diesen speziellen Vibe geliebt und uns das auch mitgeteilt – was ansonsten gar nicht so häufig vorkommt. Wir hatten auch schon mal einen Künstler hier, der hat zuerst regulär mit seiner Band gespielt und danach spontan noch einen Workshop über Songwriting gegeben. Beim A Summer’s Tale wird man sowohl als Gast als auch als Künstler viel eher ein Teil des ganzen Events, als das bei anderen Festivals möglich wäre.

Ein Festival der Synergien …

Das kann man absolut so sehen – und das gekoppelt mit jeder Menge Spaß und einem komplexen Erlebnis im Sinne eines aktiven Musik- und Kulturkurzurlaubs.

Termin:
01.08.-04.08. Lumühlen

Veranstalter: FKP Scorpio