Little Steven (c) Jo Lopez

Im Interview: Steven van Zandt aka Little Steven

1982 startete Steven Van Zandt alias Little Steven zusammen mit den Disciples Of Soul seine Solokarriere. Im gleichen Jahr erschien das großartige „Men Without Women“-Album, danach löste er die Band wieder auf. 1984 verließ er dann Bruce Springsteens E Street Band, vier weitere Solo-Alben später stieg er 1999 wieder ein, aber 2016 hat er überraschend das Disciples-Projekt wiederbelebt. Mit „Soulfire“ ist ein neues Album draußen und getourt wird auch wieder. Zeit für ein paar Fragen über Vergangenheit, Gegenwart und die Zwischenzeit …

event.: Ich habe 1983 das deutsche Live-Debüt der Disciples im TV im Rahmen der „Rockpalast“-Reihe erlebt und anschließend sofort das „Men Without Women“-Album gekauft. Und dann kam irgendwie nicht mehr viel …

Little Steven: Danke, wow (lacht). Nun wir haben ein paar Tourneen gespielt, aber das Album war damals nicht sonderlich erfolgreich und es war schwer diese große Band zu halten. Dann kam „Born In The U.S.A.“, danach habe mich weiter auf meine Solo-Karriere konzentriert, dann kam die Schauspielerei (u.a. in der Kultserie „The Sopranos“) und ich war wieder mit Bruce beschäftigt und ehe man sich versieht, sind über 20 Jahre vergangen. Aber ich habe eigentlich keine richtige Entschuldigung, ich hätte schon konstanter an die Sache rangehen können. Aber nun sind wir wieder da (lacht) … und diesmal bleiben wir.

Little Steven wollte es more sophisticated

Wie kam es zur Wiederbelebung der Disciples?

Ich und meine Frau waren zum 80. Geburtstag von Bill Wyman eingeladen und dieser Londoner Promoter Leo Green sagte mir, dass in der selben Woche sein BluesFest-Festival stattfinden würde und ob ich Lust hätte aufzutreten. Und ich habe da ein paar großartige Musiker in meinem Telefonbuch stehen und ich dachte: „Warum nicht? Ich sollte das vielleicht mal wieder tun.“

Little Steven (c) Passerotto Concerts

Little Steven (c) Passerotto Concerts

Es handelt sich um eine komplette Neubesetzung.

Ja sicher, es musste ja auch alles sehr schnell gehen und ich wollte den alten Sound auch nicht eins zu eins kopieren. Der ursprüngliche Disciples-Sound war sehr roh und das war auch so gewollt, aber diesmal wollte ich es a little more sophisticated. Ich war aber ehrlich überrascht, wie gut der frühere Stoff gealtert ist und wie gut die neue Band dann funktioniert hat. Der London-Gig war großartig und dann wollte ich auch so schnell wie möglich ins Studio, um diese Energie mitzunehmen.

“Im Kern sehr simpel, sehr direkt und emotional”

Wie haben Sie die Songs für „Soulfire“ ausgewählt?

Diese Songs und dieses Album sollten etwas über mich erzählen, sie sollten ein Bild ergeben von dem, was ich heute bin. Es ist ein bisschen wie eine Reise, ein paar Coverversionen, die mir sehr viel bedeuten, ein paar neue Songs und ein paar Songs, die ich eigentlich für andere Künstler geschrieben hatte. Ich wollte zu meinem eigenen, individuellen Sound zurück und das ist eben dieses Rock-meets-Soul-Ding, im Kern sehr simpel, sehr direkt und emotional. Es ist sehr persönlich und es hat sehr viel Spaß gemacht es zu produzieren. Und es macht sogar noch mehr Spaß damit auf die Bühne zu gehen (lacht) …

Apropos persönlich: Ihr persönlicher und musikalischer Werdegang sind eng mit dem New York der 60er-, 70er, und 80er-Jahre verknüpft. Ist von diesem New York, wo sie immer noch leben, eigentlich noch etwas übrig?

New York ist tot! Die Stadt gehört jetzt endgültig den Reichen und den Immobilienmaklern, es gibt keine richtige Kunst- und Musikszene mehr, es ist alles ein einziger Marktplatz geworden. Die meisten Orte, die mich geprägt haben existieren nicht mehr und ich und meine Frau überlegen ernsthaft die Stadt zu verlassen und vielleicht nach Europa zu gehen. Ich bin gerade wirklich glücklich eine Weile rauszukommen und im Ausland zu touren … und dann sehen wir weiter …

Termine:
04.07. Köln, E-Werk
23.07. Hamburg, Große Freiheit
25.07. Karlsruhe, Zeltival

Tickets

Veranstalter: PACO Agency

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