Clueso (c) Christoph Kostlin

Clueso im Interview: “Nach dem Musikmachen mache ich wieder Musik”

Einen derart entspannten und lockeren Interviewpartner wie den Erfurter bekommt man nur selten an die Strippe, von “Interview” kann eigentlich keine Rede sein, das Ganze ist von Anfang eher ein persönlicher, freundlicher Plausch – vor allem eben über das neue Clueso-Album “Handgepäck I”. Und ein sehr informativer …

event.: Die erste Frage, die sich bei Deinem neuen Album “Handgepäck I” stellt, ist ja: Ob und wann kommt “II2? “I” hat ja schon 18 Songs!

Clueso: Na ja, ich musste halt schon ein paar Songs vom Album nehmen. Das sind dann so Lieder, die einfach eine andere Farbe haben und denen die große Produktion nicht so gut tut. Ich hab eh immer tonnenweise Musik auf meiner Festplatte, denn meine Freizeit nach dem Musikmachen besteht darin wieder Musik zu machen (lacht). Aber kurz: Ja. Das wird dann vielleicht eine EP, aber ich glaube eher ein weiteres Album.

Laut der Info Deiner Plattenfirma geht es auf dem neuen Album ja um “das Vergehen der Zeit”.

(Clueso lacht und wiederholt im Helge-Schneider-Tonfall “Das Vergehen der Zeit …”) Na, den Aspekt hab’ ich jetzt gar nicht so mitbekommen. Die Songs sind jedenfalls auf Reisen entstanden und die Texte sind eher so eine “Schnipseljagd”: Mal eine Strophe im Zug, mal sonstwo, wenn mir irgendwas einfällt, dann schreib ich das halt irgendwo hin. Das sind dann erst mal Skizzen, die landen dann in einem Ordner und dann gibt es auch noch haufenweise musikalische Skizzen, die ich aber oft gar nicht verwende. Denn wenn ich anfange mit den Wörtern zu arbeiten, dann hab ich auch meistens sehr schnell ein konkretes musikalisches Bild im Kopf.

Es darf rumpeln

Und irgendwann kommen dann die anderen Musiker ins Spiel …

Was ich wirklich geil finde, ist, wenn man die ins kalte Wasser stößt. So wie Dylan das gemacht hat, wenn ihm der Bassist nicht gepasst hat, dann hat er ihn an die Orgel gesetzt (lacht). Musiker wissen und können oft ganz viel, was für den eigentlichen Song gar nicht förderlich ist. Ich mag die ersten Takes immer gerne, wenn die Musiker damit beschäftigt sind einfach durchzukommen und nicht daran denken, wie sie ihre Kollegen beeindrucken können. Manche Songs muss man aber schon intensiv proben und dann richtig ausproduzieren. Aber andere Lieder vertragen das wieder nicht. Ich bin auch der Meinung, wenn von fünf Musikern drei Bock haben, dann ist der Song schon fast im Kasten. Man muss nicht immer darauf warten, bis alle Ideen ausdiskutiert sind.

Apropos “ausproduzieren”. Wer hat dann bei Clueso eigentlich das letzte Wort als Produzent?

Also bei diesem Album hab ich das alles selber gemacht, aber das nicht aus Ego-Gründen. Ich wollte auch die Mixe von ein paar Songs anderen überlassen, aber meine Freunde und sogar die Plattenfirma haben gesagt, dass das alles doch wunderbar funktionieren würde und dass es auch mal ein bisschen rumpeln darf (lacht). Ich hatte ein paar Kumpels an meiner Seite wie Tino Sehring, oder Tim meinen Drummer. Aber am Ende muss ich es dann halt so machen, wie ich das vor dem Mischen mal gehört habe, man könnte es eine demokratische Diktatur nennen (lacht).

Clueso: “Ich bin nicht Rio Reiser”

“Handgepäck I” ist inhaltlich ja ein eher introvertiertes Album. Es scheint Dich nicht zu Kommentaren zu den brennenden Themen dieser kontroversen Zeiten zu drängen …

Ich mach das ganz bewusst. Also politisch gesehen gibt es für mich ganz grob zwei Arten von Leuten: Die einen kann man noch abholen, weil sie vielleicht noch ein bisschen orientierungslos sind über bestimmte politische und gesellschaftliche Zustände, die natürlich Grotte sind und untragbar – aber diese Leute haben sich noch nicht auf eine Seite festgelegt. Und die anderen sind verbissen und verbittert und bei denen kann ich auch mit meiner Musik nichts ausrichten – und bei einem Konzert „gegen Rechts“ taucht ja auch kein Rechter auf. Ich engagiere mich da lieber außerhalb der Musik und in meinen Songs versuche ich kleine Denkanstöße zu liefern und das ohne Zeigefinger. Die politischen Songs, die ich mal versucht habe für mich zu schreiben, die haben für mein Gefühl nicht lange gehalten. Ich bin nicht Rio Reiser und seine Songs funktionieren heute auch nicht mehr so wie früher. Aber auch ich bin alles andere als optimistisch …

Termine:
12.11.2018 Chemnitz, AJZ
13.11.2018 Münster, Skaters Palace
15.11.2018 Magdeburg, AMO
16.11.2018 Leipzig, Haus Auensee
17.11.2018 Rostock, Moya
19.11.2018 Luxembourg, Atelier
20.11.2018 Heidelberg, halle02
23.11.2018 München, Muffathalle
24.11.2018 AT-Wien, Arena
25.11.2018 AT-Graz, Orpheum
28.11.2018 Hamburg, Große Freiheit 36
29.11.2018 Hannover, Capitol

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Veranstalter: Four Artists

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