Joris (c) Tim Kramer

Joris im Interview: “Ich muss vor allem einfach auf die Bühne”

In wenigen Wochen startet die Tour von Joris, in deren Mittelpunkt sein neues Album “Schrei es raus” steht, das am 5. Oktober erscheint. Wir haben mit dem Songwriter über den Entstehungsprozess, die Schwierigkeiten mit dem zweiten Werk und über die anstehenden Konzerte gesprochen.

Im Oktober erscheint Dein neues Album “Schrei es raus”, die Single “Signal” ist schon seit April draußen und versprach bereits im Vorfeld großen Pop mit üppigen Arrangements.

Joris: Das ganze Album hat viel Haltung in sich und vom Sound her progressiver und energetischer geworden. Gleichzeitig gibt es sehr viel ruhige Momente, die dafür aber sehr viel Platz für den Text lassen.

Die ruhigen Songs sind ja ziemlich kompakt im Mittelteil des Albums zusammengefasst …

Das ist genau der Spannungsbogen, den ich für sehr gelungen finde. Bis zur fünften Nummer ist das Album sehr energetisch, dann ist es lange genug laut gewesen und es gibt diesen sehr introvertierten und ruhigen Dreierslot. Das Schöne ist, dass “Feuerwesen” ein sehr langes Outro und “In Zeitlupe” ein sehr langes Intro besitzen, wodurch der mittlere Song “Glückauf” einen lange Einleitung und ein lange Outro bekommt.

Die anderen Songs gehen aber dafür in Richtung Bombast im besten Sinne …

Die vergangenen drei Jahre waren ja auch sehr groß und sehr bombastisch. Mit Festivals, von denen ich früher geträumt habe, hier einmal zu spielen. Ich habe diese großen Momente gehabt und die stecken in gewisser Weise auch in dem neuen Album. Aber der Kontrast ist trotzdem groß, auf der einen Seite sehr viel Progressives am Ende, der introvertierte Teil in der Mitte und der bombastische Teil am Anfang, wo wir ein bisschen mit Kanonen auf Spatzen schießen. Die Aufnahmezeit war mit neun Monaten auch sehr lang, wir haben nichts unversucht gelassen – es gibt sehr viele echte Bläser, Streicher und große Chöre. Insofern ist das für mich ein großer Traum gewesen, diesen ganzen Wahnsinn auch mal so groß auszuleben.

Locker machen

Man sagt ja, das erste Album ist ja eher einfach, schließlich trägt man die Songs schon lange mit sich rum und konnte sie reifen lassen. Für viele wird es beim zweiten Album dann richtig schwer, und bei Dir vielleicht gerade nach einem Erfolg wie “Herz über Kopf” …

Für mich war es wichtig eine Pause zu machen, um zu realisieren, dass es nicht immer so ist, dass ich eine Nummer herausbringe und dann immer genau das passiert wie bei „Herz über Kopf“. Das ist nämlich im Kopf so abgespeichert, nicht zuletzt, weil das meine erste Single war. Danach war die Welt für mich plötzlich eine andere. Wenn man das nicht vernünftig bewältigt, kann man das als selbstverständlich nehmen, was natürlich fatal wäre. Ich musste für mich herausfinden: “Was möchte ich eigentlich? Will ich genau daran anknüpfen oder ist es mir wichtig, diesen Erfolg zu erhalten?” Hinzu kommen die Gespräche, die ich in meinem Umfeld geführt habe, von der Familie bis zu Plattenfirma und jeder hat seine Erwartungshaltung an mich, natürlich auch ich selber. Da gab es dann eine Zeit, in der nichts Gutes herausgekommen ist. Zum Glück gab es aber auch viele Freunde, mit denen ich viel gequatscht habe, und dann noch die vielen musikalischen Freunde, durch die ich gelernt habe zu sehen, was es noch alles gibt. Es war einfach eine sehr intensive Zeit, die dann dazu geführt hat, dass ich wieder eine etwas lockerere Haltung bekommen konnte.

Du bist ja auch ins Ausland gegangen …

Ich bin für einen Monat ganz alleine nach Italien gegangen. Und danach nach Spanien, wo wir eine Art Landhaus hatten, in das wir ein Studio und eine Bühne reingebaut und eine Art Kommunenleben geführt haben – mit Freunden, meiner Band und meiner Familie. Hier habe ich dann die Ideen für meine neue Musik finalisiert, bevor es ins Studio ging. Das war etwas sehr Befreiendes. Es gab also diese Phase des Druckes nach dem Erfolg, aber dadurch, dass ich gute Leute um mich herum hatte, war sie zum Glück nur kurz.

Joris "Schrei es raus"

Joris “Schrei es raus”

Joris: “Ich liebe beides”

Deine erste Tour führte Dich logischerweise erstmal durch die Clubs, jetzt sind da schon die mittelgroßen Hallen gebucht, in Stuttgart und Hamburg gleich zwei Abende hintereinander …

Die Große Freiheit in Hamburg ist so eine Art Traum von mir, aber sie ist eben nur halb so groß, wie die anderen Locations bei dieser Tour, deswegen spiel ich da einfach zwei Abende hintereinander. Das Gleiche dann Im Wizemann in Stuttgart. Die anderen Locations sind in der Tat größer geworden, aber für mich sind sie immer noch so klein, dass sie einen Clubcharakter haben. Das ist mir im Moment noch sehr wichtig: die tropfende Decke und die Nähe zum Publikum.

Aber die großen Arenen haben auch ihren Reiz für Dich?

Wir haben mal eine Arena-Show in Leipzig gespielt, wo wir bei einer Art Festival sechs Nummern gespielt haben. Das war der absolute Oberhammer, wir haben alles abgerissen was abzureißen war, und ich glaube die Leute waren danach echt gut im Eimer. Das ist natürlich schon geil, wenn Du auf so einer großen Bühne stehst, Du siehst, dass die letzten Reihen auch mit am Start sind und die Leute in ganze Halle mitsingen. Bei Festivals ist ja genauso, wie beim Hurricane oder Southside. Im Club gibt es dafür andere Momente: Auf einer Festivalbühne würde ich nicht auf die Idee kommen, die allerruhigste Ballade auszuprobieren, im Club kann man das durchaus machen. Insofern liebe ich beides, ich muss vor allem einfach auf die Bühne, da gehöre ich hin.

Songs auf der Ersatzbank

Wie groß wird die Joris-Band sein, die Dich auf der Tour begleitet? Immerhin ist der Sound auf dem neuen Album oftmals recht aufwändig …

Wir haben in den letzten Wochen schon sehr viel Zeit intensiv im Proberaum verbracht. Ich habe einen achtarmigen Keyboarder, der sehr viel abdecken kann. Und ansonsten ist meine Band eben meine feste Band, die immer mit dabei ist. Aber vielleicht fällt mir noch etwas ein, ganz fertig bin ich mit der Planung noch nicht. Ich habe viele Ideen und will eine große Show mit einem guten Spannungsbogen abliefern. Vor allem habe ich zum ersten Mal in meinem Leben den großen Luxus, dass ich nicht alles spielen muss, was ich spielen kann. Ich habe jetzt zwei Alben an Repertoire und solange ich nicht dreieinhalb Stunden spielen muss, müssen ein paar Songs jetzt leider auf die Ersatzbank. Deshalb wird es für alle dann auch sehr spannend, welche Version ich mir von welcher Nummer einfallen lasse.

Du arrangierst Deine Songs auch immer wieder um?

Das ist von Abend zu Abend immer so. Wir sind alle sehr live-affin, und ich glaube, wenn wir jeden Abend das Gleiche machen müssten, würden wir irgendwann eingehen.

Termine von Joris:
19.10. Stuttgart, Wizemann
20.10. Stuttgart, Wizemann
22.10. Hamburg, Große Freiheit 36
23.10. Hamburg, Große Freiheit 36
24.10. Hannover, Capitol
26.10. Bielefeld, Ringlokschuppen
27.10. Leipzig, Haus Auensee
28.10. München, Tonhalle
29.10. Köln, E-Werk
31.10. Wiesbaden, Schlachthof
01.11. Berlin, Columbiahalle
02.11. Dortmund, FZW
03.11. Bremen, Pier 2
05.11. AT-Wien, WUK
06.11. CH-Zürich, Kaufleuten

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Veranstalter: Four Artists Booking

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