Revolverheld (c) Benedikt Schnermann

Im Interview: Revolverheld-Gitarrist Kristoffer Hünecke

„Zimmer mit Blick“ heißt das aktuelle Album von Revolverheld, das ein Stück weit überraschend ausgefallen ist und das die Vier noch eine Weile auf Trab halten wird – zum Beispiel in Form der anstehenden Tour. Anlass genug, um sich mit einem entspannten Kristoffer Hünecke (seines Zeichens Gitarrist und Songwriter von Revolverheld) einmal ausführlich über die Hintergründe zu unterhalten.

Bei „Zimmer mit Blick“ habt Ihr ja ziemlich am gewohnten Bandsound geschraubt. Also in diesem Fall viel mehr Elektronik und weniger Gitarren.

Kristoffer: Wir haben das diesmal tatsächlich ein wenig anders aufgezogen und hatten total Bock einfach mal herumzuexperimentieren. Also haben wir uns erst mal zusammen hingesetzt und angefangen die ersten Songstrukturen zu programmieren, ohne Gitarren dafür mit Beats aus der Dose und massenhaft Vintage-Synthies, eigentlich die ganzen Sounds, die man normalerweise erst am Schluss hinzufügt. Und auf diese Weise ist das ein ganz anderer Arbeitsprozess geworden. Es war weniger eine Aufnahmesession, sondern eher ein ergebnisoffenes Herumexperimentieren.

Revolverheld auf dem Glatteis

Vor „Zimmer mit Blick“ stand ja das immens erfolgreiche „MTV Unplugged“-Album samt Tour. War „Zimmer …“ so eine Art Gegenreaktion zum Vorgänger?

Weniger eine Gegenreaktion, aber eben sicherlich eine Reaktion. Die „Unplugged“-Session war ja auch irgendwie Neuland, weil man mit Instrumenten, Klängen und Konzepten hantiert, die ansonsten für einen Pop- und Rockmusiker eher peripher sind. Auf einmal sind da Streicher und Bläser und Mandolinen und alles Mögliche, der Prozess des Arrangierens und so weiter. Und dann sind wir zweieinhalb Jahre mit dem „Unplugged“-Album unterwegs gewesen und danach hast Du einfach Bock auf quasi das Gegenteil. Eben mal wieder den Stecker in Steckdose zu packen und zum Beispiel alle deine alten Synthesizer anzuschließen (lacht). Wir wussten eigentlich gar nicht wirklich was wir in der Richtung alles in unserem Studio haben, das Zeug stand einfach so rum und wir hatten es bislang kaum benutzt. Wir sind dann tagelang nur rumgesessen und haben Sounds durchgehört – das war wirklich schön. Es war wirklich so etwas wie eine willkommene Abwechslung.

Wie würdest Du die musikalische Entwicklung von Revolverheld auf diesem Album beschreiben?

Wir haben eben einfach versucht, wieder einen Schritt weiterzugehen, indem wir uns sozusagen aufs Glatteis bewegt haben – aber man selbst empfindet solche Entwicklungen selber auch gar nicht so intensiv. Bei uns scheint es halt eine generelle Entwicklungsrichtung zu geben, wir kamen ja mal eher vom NuMetal und es hat sich eben immer weiter in Richtung Pop entwickelt.

Die statische Musiklandschaft

Die 80er-Jahre scheinen auf „Zimmer …“ ebenfalls durchzuklingen.

In jedem Fall. Meine musikalische Früherziehung hat ja auch in den 80er-Jahren stattgefunden, mit all dem Zeug, das meine Eltern so aufgelegt haben. Und diese ganzen Sounds aus dieser Zeit und auch das Equipment findet man ja auch derzeit wieder, oft in einem modernen Kontext. Und wir haben versucht, das in unsere musikalische Welt zu übersetzen, also in unser Pop/Rock-Ding. Ich will an dieser Stelle keine Kollegen kritisieren, aber ich finde die ganze Musiklandschaft hier derzeit ein wenig statisch. Manchmal habe ich das Gefühl, dass sich die ganzen Pop/Rock-Produktionen oder diese Liedermacher-Alben alle sehr ähnlich anhören – als würden sie von immer demselben Produzenten stammen. Da wollen wir uns schon absetzen. Maßgeblich ist natürlich immer das Songwriting, aber es darf dann ruhig auch mal ein wenig anders klingen, als der Mainstream. Es ist halt auch immer so ein Kontext-Ding – und wer weiß, vielleicht reißen wir beim nächsten Mal einfach die Verstärker auf und machen ein reines Gitarrenalbum.

In den Texten sprecht Ihr ebenfalls für Revolverheld neue Themen an …

Auch das war eine ganz bewusste Entscheidung, wir wollten eben diesmal auch Themen anfassen, die man „politisch“ oder „gesellschaftskritisch“ nennen könnte. „Zimmer mit Blick“, „Unsichtbar“ oder „So wie jetzt“ sind solche Songs. Dabei geht es aber weniger darum, der Welt den Spiegel vorzuhalten oder gegen irgendwelche Missstände anzusingen, sondern wir fanden es eben spannend, mehr über unsere künstlerische Identität als Band herauszufinden. Aber ich finde es generell ein wenig schade, dass es derzeit in der deutschsprachigen Rock- und Pop-Musik praktisch überhaupt keine kritischen Stimmen beziehungsweise Texte mehr zu geben scheint, da scheint einiges verloren gegangen zu sein. Auf der anderen Seite ist das auch ein schmaler Grat, die Gefahr sich selber zu wichtig zu nehmen ist schon hoch. Wir haben das Glück, dass wir eine dieser Bands sind, in der man sich gegenseitig erdet. Wir versuchen dann auch in den kritischen Texten nicht den Zeigefinger zu heben, sondern versuchen rüberzubringen, wie wir die Dinge sehen.

„Wir konzipieren unsere Songs nicht nach der Bühnengröße“

Eure erste „Zimmer …“-Tour hat Revolverheld wieder in die kleinen Clubs geführt, die kommende findet in den Arenen statt. Wie war es für Euch, mal wieder in diesen kleinen Rahmen zurückzukehren?

Die Clubtour wollten wir alle unbedingt machen, und als dann alle Tickets binnen 30 Minuten ausverkauft waren, waren wir erst mal wirklich überrascht. Und es waren dann auch großartige Konzerte, aber ganz ehrlich: Ich bin natürlich auch glücklich in den ganz großen Hallen spielen zu dürfen. Ich meine, wenn ich in meiner Heimatstadt Hamburg in der größten Arena der Stadt spiele, dann hat das schon was (lacht). Ich glaube diesen Stars nicht so ganz, die behaupten, dass sie gerne wieder in die ganz kleinen Venues zurückkehren würden, ich selber finde das auch ziemlich inspirierend vor ganz vielen Leuten zu spielen. Davon hab ich doch schließlich geträumt, als ich mit 14 Guns N’ Roses-Songs geübt habe! Und derzeit macht es auch wieder total Spaß, das neue Material ist noch frisch und wir haben auch den ganzen Elektronik-Kram von der „Zimmer …“-Produktion auf der Bühne, das ist dann auch noch mal spannend. Ich glaube auch, dass die neuen Songs ein bisschen besser auf den großen Bühnen funktionieren … das heißt jetzt aber nicht, dass wir unsere Songs nach der Bühnengröße konzipieren (lacht).

Termine:
14.03. Emden, Nordseehalle
15.03. Hannover, TUI Arena
16.03. Hamburg, Barclaycard Arena
18.03. Bremen, ÖVB-Arena
19.03. Leipzig, Arena
20.03. Frankfurt, Festhalle
22.03. Stuttgart, Schleyer-Halle
23.03. Nürnberg, Arena Nürnberger Versicherungen
24.03. München, Olympiahalle
25.03. AT-Wien, Stadthalle
27.03. Köln, LANXESS arena
29.03. Oberhausen, König-Pilsener ARENA
30.03. Berlin, Mercedes-Benz Arena
10.05. Bad Segeberg, Kalkberg Aenea
14.06. Salzkotten, Dreckburg
15.06. Neubrandenburg, Open Air am Jahnsportforum
21.06. AT-Großmain, Open Air Latschenwirt
22.06. AT-Wagna, Open Air Römerdorf
13.07. Lörrach, STIMMEN-Festival
26.07. Weinheim, Schlosspark Open Air
27.07. Dresden, Junge Garde
16.08. Heiligenhafen, Stars at the Beach
30.08. Koblenz, Deutsches Eck Open Air
31.08. Halle, Gerry Weber Stadion
06.09. Hemer, Sauerlandpark Open Air

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Die Tournee wird präsentiert vom event.Magazin in Kooperation mit FKP Scorpio

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