Stewart Copeland (c) MFP Concerts

Stewart Copeland im Interview: „Ich kann heute leiser spielen …“

Stewart Copeland war bekanntlich der Drummer von The Police. Weniger bekannt ist, dass er als Film- und TV-Komponist produktiver war (und ist) als seine Ex-Kollegen Sting und Andy Summers zusammen! Weit über 60 Credits hat er aufzuweisen und dieser Aspekt seines Werks bildet auch den musikalischen Mittelpunkt seines aktuellen Orchester meets Drums-Live-Projekts „Stewart Copeland Lights Up The Orchestra“. Alles weitere erklärt uns der blendend gelaunte Meister selbst im Interview …

event.: Wie hat Ihre Karriere als Filmkomponist eigentlich begonnen?

Stewart Copeland: Es begann 1983, als der Regisseur Francis Ford Coppola für seinen Film „Rumble Fish“ ein paar Streicher-Arrangements brauchte. „Rumble Fish“ war ein vergleichsweise kleiner Film und Coppola konnte sich damals keinen berühmten Komponisten leisten. Ich bekam den Job und so nahm die Sache ihren Lauf.

Das überrascht insofern, als dass Rockdrummer nicht unbedingt für ihre Notenkenntnisse oder ihr musiktheoretisches Hintergrundwissen bekannt sind.

Yeah! Mein Vater war ein professioneller Jazzmusiker, der großen Wert auf ein seriöses technisches und theoretisches Fundament legte. Deswegen habe auch ich eine Ausbildung an einer staatlichen Musikschule absolviert. Ich kann Noten lesen und schreiben, ich kenne mich in der Musikgeschichte aus und beherrsche die Theorie. Aber als ich dann professioneller Rockdrummer wurde, habe ich 20 Jahre lang kein Notenblatt mehr gesehen (lacht) …

Komponieren als Handwerk

Sie haben extrem unterschiedliche Scores für extrem unterschiedliche Filme produziert.

Ich sehe die Arbeit als Filmkomponist nicht als Kunst, sondern als Handwerk. Es geht darum, die Stimmung des Films und die Wirkung der Szenen zu unterstreichen. Wie erreiche ich, dass zum Beispiel eine gruselige Szene gruselig wirkt? Man muss die richtigen emotionalen Knöpfe drücken und dazu gibt es die entsprechenden musikalischen Muster, die man schon in der Klassischen Musik finden kann. In meiner Schreibtischschublade verwahre ich die Partituren zum Beispiel von Ravel oder Britten und dort finde ich auch immer wieder Antworten.

Was macht das „Lights Up The Orchestra“-Projekt Ihrer Meinung nach so besonders?

Es gibt keine Band, nur mich und das Orchester. Und ganz wichtig: Es gibt keine Mikrophone und keine Verstärkung. Wir arbeiten nur mit der Akustik der Konzertsäle.

Beeinflusst das Ihr Spiel? Sie gelten ja als außergewöhnlich kraftvoller und dynamischer Schlagzeuger.

Diese „Dynamik“ ergibt sich eben aus der Lautstärke einer Rockband. The Police waren live immer sehr laut und das war auch okay so. Da ging es um diese Rock’n’Roll-Energie, das musste so sein. Aber ich habe inzwischen auch große Fortschritte gemacht. Ich kann heute viel leiser spielen (lacht) …

Stewart Copeland: „Police-Songs bleiben Police-Songs“

Das aktuelle Projekt klingt aber auch nach jeder Menge Arbeit. Also das Erstellen der entsprechenden Orchester-Arrangements und dann die Proben.

Wir spielen ein Programm bestehend aus Themen meiner Scores, Kompositionen von Eberhard Schöner, mit dem ich in den 70er-Jahren in München zusammenarbeiten durfte und auch Orchester-Arrangements von ein paar Police-Songs. Das Zentrum aller dieser Stücke sind starke melodische Motive, die in jedem musikalischem Kontext bestehen können. Und genau das ist der Punkt: Police-Songs zum Beispiel konnten in alle möglichen Richtungen gehen, was den Sound anging und blieben doch immer Police-Songs. Sting hat zeitloses Material geschrieben und mir die Möglichkeiten eröffnet es neu zu interpretieren. Und das war überhaupt nicht schwierig – das war wieder Handwerk. Und was die Probearbeit angeht: Die Proben zur letzten The-Police-Worldtour 2007 zogen sich über vier Monate hin. Es war sehr angenehm in Stings Palazzo in Italien zu residieren, aber ich habe mich schon manchmal gefragt, was wir da eigentlich tun, weil wir die Songs doch eigentlich in- und auswendig kannten. Mit dem Orchester reichen dagegen vier Probe-Sessions – weil diese Musiker Noten lesen können!

Termine:
20.03.2019 Hamburg, Elbphilharmonie
22.03.2019 Potsdam, Nikolaisaal
23.03.2019 Düsseldorf, Stahlwerk
24.03.2019 Stuttgart, Liederhalle

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Veranstalter: MFP Concerts

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