Zaher Zargoti von Myrath im Interview

In ihrer Heimat Tunesien sind Myrath mit ihrem Mix aus Progressive Metal und orientalischen Einflüssen längst eine der wichtigsten Bands des Landes. Jetzt wollen sie auch in Europa Fuß fassen: „Shehili“ heißt das Album, mit dem nun auch die hiesige Progressive Metal Szene aufgemischt werden soll. Wir haben mit Sänger Zaher Zargoti und mit ihrem Produzenten Kevin Codfert über das neue Album und ihre Pläne für die nächste Zeit gesprochen.

Gibt es in Tunesien neben Myrath noch eine größere Szene in Sachen Progressive Metal?

Zaher Zargoti: Die Metal-Szene in Tunesien ist wirklich klein. Aber es gibt einige Bands, die sich ebenfalls reinhängen und wir versuchen sie dabei zu unterstützen, indem wir zum Beispiel bei uns Festivals organisieren. Wobei wir in dem speziellen Genre, in dem wir spielen – wir nennen es Blazing Desert Metal – die einzigen sind. Es gibt in Tunesien auch nur ein Metal-Label, „Darksite Records“, mit denen wir befreundet sind.
Kevin Codfert: Das Hauptproblem in Tunesien ist, dass es keine Distributionsmöglichkeiten für CDs gibt. Das macht es den Bands besonders schwer.
Zaher: Und auch die digitale Verbreitung ist schwierig, weil viele Menschen in Tunesien hierzu keinen Zugang haben.

Also gar nicht so einfach für Musiker in Tunesien …

Zaher: Ja, leider. Gerade deswegen versuchen wir ja auch unsere Musik zu exportieren und außerhalb von Tunesien Fuß zu fassen. Unser neues Label unterstützt uns dabei sehr gut und vor allem auf eine sehr professionelle Art und Weise.

Positive Grundmessage

Ihr zeigt ja auch eine klare politische Haltung mit Songs wie „Dance“ …

Kevin: Ich denke da steckt eine Dualität in dem Song, musikalisch ist er fröhlich und hat Groove. Aber der Text handelt von einem jungen Tänzer, der symbolisch gegen den IS tanzt, eine sehr emotionale Story.
Zaher: Wir wollen einfach mit dem Album eine positive Grundmessage verbreiten. Hoffnung, Frieden und der Kampf gegen dunkles Gedankengut.

„Shehili“ ist ja das bislang komplexeste Album von Myrath. Wie lange habt Ihr daran gearbeitet?

Kevin: Ungefähr zwei Jahre. Sechs Monate für die Komposition, sechs Monate für die Arrangements und nochmal ein paar Monate für die Aufnahmen. Das Album war bereits vor einem Jahr fertig, allerdings noch mit gesampelten Drums, die wir dann durch am Ende doch noch durch ein echtes Schlagzeug ersetzt haben.

Die Produktion klingt ja auch ziemlich aufwändig.

Zaher: Wir haben das Album in drei verschiedenen Ländern eingespielt, in Tunesien, Frankreich und in Deutschland mit verschiedenen Produzenten. Jeder Song hat am Ende seine eigene Atmosphäre, seinen eigenen Stil und seine eigene Art des Mixing bekommen. Dadurch hat das Album etwas sehr einzigartiges.

Und Ihr habt auch jede Menge orientalischer Instrumente eingebaut.

Zaher: Ja da gibt es Percussion, Geigen und Ouds, aber auch andalusische Instrumente, die von zum Teil sehr berühmten tunesischen Gastmusikern eingespielte wurden.

MYRATH Shehili

Myrath bringen ihre Armada mit

In Tunesien spielt ihr in großen Locations vor tausenden von Menschen, in Europa sind es dagegen ja noch weit weniger.

Zaher: Ja, wir haben zum Beispiel in Karthago im römischen Theater vor mehr als 6.000 Menschen gespielt, in Europa sind es dann eher ein paar hundert Leute.

Da müsst Ihr dann vermutlich bei der Show ein paar Abstriche machen …

Kevin: Die Shows sind da natürlich ganz unterschiedlich. In Karthago waren bis zu 14 Leute auf einmal auf der Bühne mit großen Leinwänden und Lightshow. In Europa müssen wir da erstmal natürlich mit weniger zurechtkommen – bis wir dann berühmt sind! (lacht)
Zaher: Wobei wir dieses Jahr in Wacken und beim Sweden Rock Fest auch die ganze Armada mitbringen werden. Es wird eine sehr mystische Show mit einem echten Magier, Bauchtänzerinnen und Feuerwerk werden. Das wird das erste Mal sein, dass es sowas in der Metal-Szene zu sehen gibt.

Dieses Jahr gibt es also nur Festivals, keine Clubtournee?

Zaher: Tatsächlich spielen wir dieses Jahr nur Wacken und Sweden Rock Fest. Nächstes Jahr sind dann richtige Tourneen durch Europa, USA und Japan geplant. Und natürlich noch mehr Festivals.

 

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