The B-52s (c) Pieter M. Van Hattem

Im Interview: Cindy Wilson von The B-52s

Ein Interview mit Cindy Wilson von The B-52s ist ein wirklich besonderes Vergnügen. Denn die Sängerin versprüht auch nach mehr als 40 Jahren im Musikgeschäft immer noch den Charme einer frisch verliebten Teenagerin. Und das hat eine simplen Grund: Wilson liebt die Musik und sie liebt ihre Band. Selbige hat nun ihre „Farewell“-Tour angekündigt. Zeit für einen Rückblick …

The B-52s laden also zur „Farewell“-Tour. Ein schwerer Schlag …

Cindy Wilson: Nun, ich weiß gar nicht genau, was ich dazu sagen soll, aber so könnte es sein. Ich konzentriere mich jetzt einfach auf die Tour und bin mir sicher, dass das wieder ein großer Spaß sein wird.

The B-52s haben einen völlig eigenen Sound geschaffen. Wie kam das?

Wir waren einfach nur ein paar Kids, die es mal mit Musik probieren wollten. Bis auf Ricky (Bruder von Cindy und Gitarrist der The B-52s, der 1985 an AIDS verstarb) konnte keiner von uns richtig spielen. Selbst wenn wir jemanden hätten kopieren wollen, wir hätten es gar nicht gekonnt. Unser Sound entstand aus lockeren Jams, da war kein Konzept und wir hatten nur den Ehrgeiz auf ein paar Partys zu spielen. Und so klangen wir einfach wie wir selbst.

The B-52s: Art-Rock mit Spaßfaktor

Inwiefern wart Ihr von Eurer Umgebung, also Eurer Heimatstadt Athens, Georgia geprägt?

Athens ist eine Universitätsstadt und das kulturelle Klima war ziemlich offen. Man konnte z.B. einfach in die Uni-Bibliothek gehen und z. B. in alten europäischen Modemagazinen blättern. Solche Dinge haben uns einen anderen Blick gegeben.

The B-52s schienen ja auch so einen eher europäisch geprägten, Kunstansatz zu verfolgen. Surfsound meets Dada-Lyrik und Motive aus trashigen SciFi-B-Movies …

(lacht) You’ve nailed it! Jeder hat eben seine Ideen eingebracht. Ricky hatte sogar eine Zeit in Deutschland verbracht und sprach auch ein wenig deutsch. Da gab es schon so eine europäische Energie und Aufgeschlossenheit, irgendwie waren wir so ein bisschen Art-Rock. Mit Spaß-Faktor.

Das Debütalbum war damals hier ein Phänomen. Jeder, egal ob Hippie oder Punk, Rocker oder Popper liebte es.

Ja, das hat uns auch überrascht. In den USA hat das ein wenig länger gedauert, da hielt man uns zuerst für eine obskure Band aus dem New Yorker Punk-Underground. Unsere erste Zeit in New York fand ich auch großartig. Wir spielten z. B. im CBGB und da saß John Cale (Underground-Legende u. a. The Velvet Underground) an der Bar und man konnte einfach so mit ihm reden! Das war fantastisch!

Cindy Wilson: „Wir sind immer noch Freunde“

Euer größter Fan war ja John Lennon!

Stimmt er hatte „Rock Lobster“ in einem Club gehört. Und der Gesang von Katie und mir erinnerte ihn an Yoko …(lacht)

Ein großer Verdienst von Dir ist ja, dass Du die Bongos wieder im Pop etabliert hast.

Und richtig stolz darauf bin ich, dass ich die Bongos wieder im Orchester etabliert habe! Wir haben mal eine Orchestershow im Hollywood Bowl gespielt, das war einer der besten Momente meines Lebens. Ich spiele eben nur mit den Besten.

Mit deinem Album „Changes“ hast Du 2018 ja auch eine Solo-Karriere gestartet.

Danke, dass Du das erwähnst. Und ich war mit meiner Band auch auf Tour, alle zusammen in einem Van von Club zu Club. Das Equipment selber schleppen, alles wie früher. Und ich liebe es!

Und wie ist die Stimmung bei Euch vor der „Farewell“-Tour?

Wunderbar. Wir sind immer noch Freunde und wir haben es immer noch drauf. Das werden ein paar fantastische Partys und alle freuen sich darauf und die Band klingt großartig. Aber wir leben inzwischen eben auch alle ziemlich verstreut und inzwischen hat eben auch jeder sein Leben abseits der Band. Wir können eben nicht mehr einfach so zusammenkommen, um zu jammen und zu schauen, ob ein paar neue Songs dabei herauskommen. Aber die Konzerte werden sicher toll …

Also besteht wenig Hoffnung auf ein „Abschieds“-Album?

Ich weiß nicht. Jedenfalls gibt es keine wirklich konkreten Pläne. Ich würde es aber auch nicht generell ausschließen. Aber wenn es passiert, dann wird das wieder eine spontane Angelegenheit werden, also wenn wir alle spüren, dass das auch wieder Spaß machen könnte. So lief das schon immer bei uns, wir hatten nie einen Business-Plan.

Termine:
26.06.19 Köln, E-Werk (ausverkauft)
27.06.19 Berlin, Zitadelle (verlegt aus der Columbiahalle)

Tickets hier kaufen

 

Veranstalter: KBK

Share it now!