Annett Louisan (c) Semmel Concerts

Im Interview: Annett Louisan

Annett Louisan ist eine kleine Frau („Aber wenigstens nicht dünn“ – wie sie in ihrem Lied „Klein“ vom neuen Album klarstellt), aber im Interview sitzt einem eine große Persönlichkeit gegenüber. Eine echte Künstlerin, die wahrscheinlich einzige ernsthafte Chanson-Künstlerin Deutschlands, die mit ihrem neuen Album „Kleine große Liebe“ wieder einen neuen Weg, nämlich ihren ganz eigenen eingeschlagen hat.

event.: Für Ihr neues Album „Kleine große Liebe“ haben Sie sich fünf Jahre Zeit genommen. Und es ist ein ungewöhnliches Doppelalbum geworden. Mit zwei sehr verschiedenen Seiten …

Annett Louisan: 2015 habe ich zuerst mal mein Tour- und Feierpensum heruntergefahren. Mit wurde das zu viel, aber ich war auch alles andere als untätig. Ich habe viel geschrieben und bin dann wieder nach Berlin gezogen und habe wieder meine Liebe zum Pop entdeckt. Ich wollte meinem Weg als Chanson-Sängerin schon treu bleiben, aber da war dann auch diese Sehnsucht nach der Musik meiner Kindheit, nach dem Pop der 80er-Jahre. Die war auch schon bei meinen letzten Platten da, aber da konnte ich das noch nicht so klar ausdrücken. Ich wollte Veränderung. Und so entstand der erste Teil des Albums – dann wurde ich Mutter. Und diese Erfahrung prägt dann die zweite Hälfte. Ich fand das gut, diese beiden Aspekte zu trennen und nicht wie vorher einfach alles durcheinander zu mischen.

Annett Louisan – Mikro und Babyphon

Prallen dann in den einzelnen Liedern quasi auch zwei Lebensentwürfe aufeinander? Dieses hedonistische Laisser faire und dann die Erfahrung Mutter zu werden?

Da prallt eigentlich nicht viel aufeinander, denn die Lieder sind ja immer auch Momentaufnahmen. Von ein und der selben Person, also von mir. Das sind verschiedene Perspektiven, die ich als Künstlerin einnehmen darf. Die Pop-Songs sind ein Rückblick auf meine Vergangenheit, auf alles, was ich damals geliebt habe, von France Gall bis Madonna und auch auf die anschließende Lebensphase. Und die Chansons reflektieren eher meine Gegenwart und auch meine Gedanken an die Zukunft. Was will ich die nächsten 20 Jahren eigentlich machen?

Und was wollen Sie machen?

Ich will natürlich in erster Linie für meine Tochter Emmylou da sein. Aber ich will natürlich auch weiter Musikerin sein. Das kann ganz schön schwierig sein, vor allem wenn deine kleine Tochter eine schlechte Schläferin ist (lacht). Aber man findet dann auch ganz selbstverständlich Lösungen. Demos zu Hause einsingen, das Mikro neben dem Sofa mit dem Babyphon neben mir. Das geht auch …

„Wenn Du nur noch gefallen willst, stirbst Du innerlich“

Die Lieder „Ein besserer Mensch“ und „Traum“ richten sich auch direkt an Ihre Tochter.

Und die beziehen sich aber auch direkt auf mich. Vor der Geburt von Emmylou haben mein Mann und ich eigentlich selber noch wie Kinder gelebt. Wir haben es krachen lassen, waren richtige Hedonisten. Und dann haben wir gemerkt, dass wir etwas ändern müssen und haben unsere Familie gegründet. Und dann realisiert man auch diese Ambivalenzen. Man übernimmt auf einmal Verantwortung und bleibt trotzdem derselbe. Bei mir ist das extrem. Ich bin der totale Chaos-Typ und trotzdem Ordnungsfanatiker. Das widerspricht sich dann aber trotzdem nicht, das ist dieser ewige Tanz. Und wenn man das zulässt, dann ist man eigentlich noch viel näher bei sich.

Macht es das für die Künstlerin Annnett Louisan einfacher oder schwieriger?

Als Künstlerin hatte ich das große Glück, dass ich quasi in von Anfang an in einer sehr behütenden Umgebung wachsen konnte. Mein Label, meine Produzenten und die Musiker, alle standen immer voll hinter mir und der Erfolg kam ja dann auch sehr schnell. Ich konnte mir immer meine Autarkie bewahren und durfte auch Fehler machen und mich ausprobieren. Ich durfte einen Reifeprozess durchleben. Und „Kleine große Liebe“ ist das Persönlichste, das ich je gemacht habe. Man überlegt sich schon immer, was man von sich preisgeben will und kann. Und der Grat zwischen Banalität und peinlicher Selbstentblößung ist sehr schmal. Aber als Künstlerin habe ich auch die Möglichkeit alles zu sein was ich sein möchte. Und diese Möglichkeit habe immer benutzt und die nutze ich auch jetzt. Wenn Du nur noch gefallen willst, stirbst Du innerlich.

Termine:
19.07.2020 Weißenfels, Schloss
20.07.2020 Rathenow, Optikpark
25.07.2020 Finkenstein, Burg Arena
27.07.2020 Zwickau, Planitzer Schlossakkord
29.07.2020 Bad Hersfeld, Stiftsruine
30.07.2020 Friedrichshafen, Kulturufer
31.07.2020 Calw-Hirsau, Klosterruine
02.08.2020 Bad Elster, NaturTheater
08.09.2020 Hamburg, Elbphilharmonie
21.10.2020 Dresden, Kulturpalast
23.10.2020 Erfurt, Messe
25.10.2020 Magdeburg, Stadthalle
26.10.2020 Braunschweig, Staatstheater
28.10.2020 München, Philharmonie
29.10.2020 Nürnberg, Meistersingerhalle
31.10.2020 AT-Wien, Wiener Stadthalle
01.11.2020 AT-Salzburg, Salzburg Congress
03.11.2020 Frankfurt, Frankfurt
04.11.2020 Chemnitz, Stadthalle
05.11.2020 Leipzig, Gewandhaus
06.11.2020 Kassel, Kongress Palais
08.11.2020 Wilhelmshaven, Stadthalle
09.11.2020 Münster, Münsterland Halle
11.11.2020 Berlin, Tempodrom
12.11.2020 Rostock, Stadthalle
13.11.2020 Bremen, Metropol Theater
15.11.2020 Kiel, Sparkassen-Arena-Kiel
17.11.2020 Köln, Palladium
18.11.2020 Saarbrücken, Saarlandhalle
19.11.2020 CH-Zürich, Kaufleuten
21.11.2020 Hannover, Kuppelsaal
22.11.2020 Bochum, Jahrhunderthalle

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Veranstalter: Semmel Concerts

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