Wanda (c) Wolfgang Seehofer

Wanda im Interview: „George Harrison ist unser Lieblings-Beatle“

Wanda melden sich mit ihrem vierten Album „Ciao!“ und der dazugehörigen Tournee zurück. Aktuell sind sie die größte Wiener Band seit irgendwas, aber inzwischen nehmen sie das auch ganz locker. Sie haben den großen Hype überstanden und ihr wohl bislang bestes Album abgeliefert. Und auch im Interview bestätigen Sänger Marco Fitzthum und Gitarrist Manuel Poppe Substanz und Tiefgründigkeit …

event.: Euer neues Album „Ciao!“ trägt wieder einen italienischen Titel. Ist das Konzept, oder woher rührt diese Affinität?

Marco: Das sollte man nicht zu ernst nehmen, aber das ist eben so ein Österreicher-Ding. Ich bin ja auch halb italienisch. Und als Österreicher macht man halt auch Urlaub in Italien und das Land ist unser direkter Nachbar. Für uns Wiener ist diese Affinität zum Italienischen völlig normal. Man findet das schon bei Rainhard Fendrich oder auch bei Falco.

Den Album-Vorgänger „Niente“ habt Ihr in der Rückschau als eine Art Zäsur beschrieben. Wofür steht „Ciao!“?

Marco: Es fühlt sich irgendwie an ein Comeback. Obwohl wir natürlich nie wirklich weg waren (lacht). Wir wissen jetzt ein Stück weit besser, was wir da eigentlich tun. Aber dieser naive Geist ist sicherlich auch noch vorhanden. Als wir „Niente2 gemacht haben, hatten wir so eine Phase des Exzesses hinter uns. Wir mussten ein bisserl runterkommen und das auch erst mal reflektieren. „Ciao!2 ist so eine Art Neustart mit frischer Energie.

Wanda und die Leidenschaft

Ihr habt ja auch ein bemerkenswertes Pensum hingelegt. Vier Alben in fünf Jahren schaffen heutzutage die wenigsten.

Marco: Das hat sicher was Getriebenes. Ich muss einfach alle paar Wochen ein gutes Lied schreiben, sonst könnte ich mich gleich aufhängen. Ich bezieh‘ daraus einfach meinen Lebenssinn. Und die Gruppe hat einfach Lust, die hat diese Leidenschaft. Wir haben ja auch keine andere ernsthafte Alternative.

Manuel: Von 50 Songs schmeißen wir 49 weg (lacht). Wir haben jedenfalls immer eine schöne Auswahl. Marco spielt uns halt nur die Songs vor, die aus seiner Sicht schon Hand und Fuß haben, aber da gibt’s anscheinend auch unzählige Entwürfe. Aber wir können uns nicht über einen Mangel an Material beschweren. Wir haben die Auswahl.

„Ciao!“ klingt sehr geradeaus, selbstbewusst und klar.

Marco: Wir haben diesmal ein paar Dinge anders gemacht. Zum Beispiel hat diesmal nicht unser Produzent gemischt. Wir wollten mal eine Perspektive von Außen zulassen. Ich finde, das Album klingt ein bisschen verträumt und verdrogt. Dabei haben wir während der Produktion so wenige Drogen genommen wie noch nie zuvor (lacht).

Eurem Bekanntheitsgrad entsprechend wird „Ciao!“ natürlich mit Superlativen beworben. Eure Plattenfirma z. B. spricht von Eurem „Revolver“-Album.

Marco: Dem würde ich nicht zustimmen (lacht). Das ist halt so ein Versuch einer Zuordnung.

„Einfach eine Band, die ihre Musik macht.“

Man hat Euch auch schon die „letzte bedeutende Band dieser Generation“ genannt. Das muss man als Band ja auch irgendwie aushalten.

Manuel: Das passiert halt einfach. Aber wir nehmen das nicht so ernst. Weil es auch nichts wirklich Essentielles für uns bedeutet.

Marco: Darum geht es eben nicht. Die Band ist eine Lebenswirklichkeit, die wir teilen und das in Konsequenz mit inzwischen vielen anderen Menschen. Aber eben auch nur, wenn es wirklich passiert. Und das geschieht bei den Konzerten. Das ist dann wahrhaftig. Das kann man erleben. Was dann so geschrieben und gesagt wird, das ist schmeichelhaft oder ärgerlich oder übertrieben, aber das zieht auch wieder vorbei. Wir sind halt eine Popband und als solche auch immer eine Projektionsfläche. Aber ob das stimmt? Ich weiß es nicht. Für mich ist Wanda nach wie vor einfach eine Band, die ihre Musik macht.

Eine Band, deren Sound auch auf „Ciao!“ mal wieder angenehm an die Beatles erinnert. Speziell die Gitarren klingen schon ein bisschen nach dem großartigen George Harrison.

Marco: George Harrison ist schon mal in jedem Fall unser Lieblings-Beatle!

Manuel: Das stimmt. Wir klingen halt so. Aber ich könnte das gar nicht kopieren.

Noch vor wenigen Jahren waren Wanda oder auch Bilderbuch ein Wiener Underground-Phänomen, das dann plötzlich explodierte. Wie habt Ihr das erlebt?

Marco: So von 2012 bis 2014 haben wir und Bilderbuch noch vor 30 Leuten gespielt. Und diese Zeit war auch unglaublich, weil es eine Szene war, die man exklusiv für sich hatte und man da der Größte war. Aber es ging dann eben auch unglaublich schnell in den Mainstream. Wien ist eine dankbare Stadt und die Leute waren offenbar hungrig nach diesem Sound. Und das haben wir dankend angenommen, es hat uns wirklich Spaß gemacht. Wir wollten auch rauskommen, wir haben keinen anderen Lebensentwurf, dafür haben einen starken Willen.

Der Exess ist überwunden

Beginnt man dann auch den Erfolg zu reflektieren, um quasi hinter die eigene Erfolgsformel zu kommen und diese weiter zu optimieren? Oder genießt man einfach die erreichte Freiheit?

Marco: Ich bin einfach froh, dass ich etwas älter und reifer geworden bin. Das bezieht sich auf meine Karriere, aber auch auf mein ganz normales Leben. Ich bin froh, dass ich nicht mehr reflektieren muss. Die Jahre 2016 und 2017 waren für mich sehr schwer zu reflektieren, aber das habe ich abgeschlossen. Auf manches schau ich gerne zurück, auf manches eher weniger. Der Exzess, die Sucht nach dem Exzess haben damals ihren Tribut gefordert, aber das ist überwunden.

Wanda und Wien, das ist ja untrennbar verbunden. Wie erklärt Ihr euch eigentlich euren ungeheuren Erfolg in Deutschland?

Marco: Ich glaube, dass Wanda auch deshalb aufgefallen ist, weil Wien so „gemütlich“ und eher langsam ist. Wir sind aufgefallen, weil wir ein bisschen exzentrisch sind, weil wir uns immer in entsprechenden Kreisen bewegt haben, die uns auch unterstützt haben. Und die Haltung kann man über die Sprache auch in Deutschland verstehen. Wir und Wien selbst haben damals mit Sicherheit nicht mit diesem Hype gerechnet. Ich bin einfach nur sehr dankbar um die Menschen, die uns damals gefördert haben. Ohne diese Menschen wären wir nicht hier. Ohne diese Menschen hätten wir kein Leben.

Termine:
25.02.2020 Würzburg, Posthalle
26.02.2020 Mannheim, Rosengarten
28.02.2020 Berlin, Max-Schmeling-Halle
29.02.2020 München, Olympiahalle
02.03.2020 Ulm, Ratiopharm Arena
04.03.2020 Leipzig, Haus Auensee
09.03.2020 Wiesbaden, Schlachthof
12.03.2020 Dortmund, Warsteiner Music Hall
13.03.2020 Köln, Palladium
08.05.2020 Regensburg, Donau-Arena
09.05.2020 Innsbruck, Olympiahalle
15.05.2020 AT-Wien, Stadthalle
16.05.2020 AT-Wien, Stadthalle
18.07.2020 AT-Graz, Freiluftarena B

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Veranstalter: Four Artists

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