Rainhard Fendrich (c) Marcel Brell

Rainhard Fendrich im Interview: „Der Wind ist rauer geworden …“

„Starkregen“ heißt sein neues Album und es ist ein starkes. Und ein Gespräch darüber wendet sich dann auch schnell ins Aktuelle und Politische, denn Rainhard Fendrich ist eben nicht nur Austro-Pop-Veteran, sondern wie immer ein engagierter Liedermacher, der diese Themen auch ernsthaft künstlerisch angeht. Und dann wird’s interessant …

event.: Das neue Album steckt eine ziemlich breite Themenpalette ab. Und außerdem scheint sich die Verlagerung von der Satire in Richtung Introspektive weiter fortzusetzen …

Rainhard Fendrich: Da kann ich keine wirkliche Antwort darauf geben, weil ich das nicht so bewusst mache. Es ist allerdings das erste Album, das richtig runderneuert wurde. Ich wollte das Album eigentlich schon vor zwei Jahren fertigstellen. Aber dann kam mir ein wichtiges Thema dazwischen. Nämlich die Kinderarmut in Österreich. Ich hab da ein Plakat der Volkshilfe Österreich in Wien gesehen und dann herausgefunden dass über 300.000 Kinder in diesem Land von Armut betroffen sind. Das hat mich derart berührt und aufgeregt, dass ich was machen musste. Ich habe dann drei Benefiz-Konzerte organisiert und ein Album aufgenommen und den kompletten Erlös der Volkshilfe gespendet. Und das andere Album ist dann erst mal liegengeblieben. Und der Effekt war, dass mir 80 Prozent von dem was ich schon produziert hatte nicht mehr gefallen hat. Und da hab ich mir auch gedacht, dass ich das schon bei meinen früheren Alben mal hätte machen können Also mal ein Jahr liegenlassen und dann noch mal drüberschauen (lacht).

Rainhard Fendrich ohne Leistungsdruck

Was hat sich verändert?

Die Themen sind die gleichen geblieben, aber die Musik hat sich verändert. Und für mich ist jedes Lied eigentlich nie wirklich fertig. Man muss es halt mal irgendwie gehen lassen. Man schreibt auch andere Lieder mit 25 als mit 65. Man sieht die Dinge anders, wenn die Zukunft kürzer wird als die Vergangenheit. Ich will das nicht als „Reife“ bezeichnen, weil da ist man dann schon ganz nah am „Obergärigen“ (lacht). Aber ich sehe die Dinge heute mit einer Ruhe, die ich früher nicht hatte. Und ich unterliege keinem Leistungsdruck mehr.

Wie geht der Liedermacher Fendrich denn heute an die Arbeit?

Schreiben ist immer 30 Prozent Euphorie und 70 Prozent Verzweiflung. Man fängt an zu schreiben und weiß was man ausdrücken will und dann fehlt immer irgendwas. Das kann ein Wort sein, oder irgendein Detail. Aber man findet eigentlich immer die Lösung … wenn man sich die Zeit nimmt.

Gesellschaftlicher Klimawandel

Sie sind ja zusammen mit einer ganzen Generation Wiener Liedermacher wie Wolfgang Ambros, Georg Danzer oder Ludwig Hirsch in diesem Geist aufgetreten, dass Lieder etwas zum Besseren bewenden könnten. Ist man da nicht frustriert, wenn man sich momentan wieder z.B. mit dem Rückfall in den rechten Populismus konfrontiert sieht?

Meine Wurzeln waren das Wiener Cabaret, der Helmut Qualtinger oder Georg Kreisler. Diese bitterbösen und auch unheimlich komischen Texte, die diese Nachkriegs-Spießigkeit und dieses latent Rechte und Populistische aufs Korn genommen haben. Und im Moment erleben wir wieder, wie Populismus funktioniert. Es wird ein Feindbild geschaffen, also zum Beispiel das „Flüchtlingsproblem“. Und dann bietet man sich als Erlöser an. Natürlich nachdem man das „Problem“ völlig übertrieben kommuniziert hat. Aber diese Neue Rechte ist nicht regierungsfähig. Aber. Wir erkennen eben auch einen gesellschaftlichen Klimawandel. Der Wind ist rauer geworden. Aber ich glaube nach wie vor an die demokratische Mehrheit.

Das sind ja dann auch Themen, die auf „Starkregen“ in Liedern wie „Heiße Luft2 auftauchen …

Ich mache so ein Lied wie „Heiße Luft“ genau für die, die es eben nicht verstanden haben. Und die sollen sich dann auch ruhig drüber aufregen. Ich glaube auch nicht, dass man mit Liedern etwas verändern kann, aber man kann den Zeitgeist damit begleiten. In den 60er- und 70er-Jahren haben sich die Menschen gegen den Vietnamkrieg gestellt und da ist die beste Musik entstanden. Ich vermisse heute die Bewegung, die sich über die wirklich wichtigen Dinge aufregt und nicht einfach nur auf Fremde und Minderheiten einschlägt. Meine Generation hat es versäumt und das beschämt mich. Ich schaue jetzt auf die junge Genration in Hong Kong oder auf die Greta Thunberg und hoffe, dass sie damit Erfolg haben.

Termine:
01.05.2020 Hof / Saale, Freiheitshalle
03.05.2020 Berlin, Theater am Potsdamer Platz
04.05.2020 Hamburg, Laeiszhalle
06.05.2020 Essen, Collosseum Theater
07.05.2020 Frankfurt, Jahrhunderthalle Frankfurt
08.05.2020 Erfurt, Alte Oper
15.05.2020 AT-Innsbruck, Olympiahalle
16.05.2020 AT-Salzburg, Salzburgarena
17.05.2020 Nürnberg, ARENA NÜRNBERGER Versicherung
19.05.2020 AT-Linz, TipsArena
20.05.2020 AT-Graz, Stadthalle
22.05.2020 München, Olympiahalle München
23.05.2020 AT-Wien, Wiener Stadthalle – Halle D
19.07.2020 AT-Klagenfurt, Open Air Arena Wörthersee Ostbucht
23.07.2020 Ebern, Schloss Eyrichshof
26.07.2020 Regensburg, Thurn und Taxis Schlossfestspiele
30.07.2020 Calw, Kloster Hirsau
29.08.2020 Altusried, Freilichtbühne Altusried
22.10.2020 CH-Zürich, Volkshaus Zürich
23.10.2010 Neu-Ulm, ratiopharm arena
24.10.2020 Würzburg, S. Oliver Arena
28.10.2020 Passau, Dreiländerhalle
02.11.2020 Stuttgart, Liederhalle – Beethoven Saal
08.11.2020 AT-Dornbirn, Messehalle 11

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Veranstalter: Semmel Concerts

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