Adel Tawil (c) Universal Music

Adel Tawil im Interview: „Ich bin viel entspannter“

Adel Tawil hat mit seinem dritten Album „Alles lebt“ sein wohl bislang persönlichstes und bestes Album abgeliefert. Es ist vor allem das Album, das ihm selbst am meisten bedeutet. Und das hat seine Gründe, die Adel im Interview auch ganz selbstverständlich und offen darlegt.

event.: Die Song-Inhalte Deines neuen Albums sind sehr kontrastreich ausgefallen. Die Themen-Palette reicht von Kapitalismuskritik, Social-Media-Satire, Weltuntergangs-Szenario bis zur Hymne auf Dein neugeborenes Kind.

Adel Tawil: Ich bin jetzt eigentlich nicht so der Typ, der immer autobiographische Texte macht. Manchmal mache ich Lieder, einfach weil ich gerade Lust auf ein bestimmtes Thema habe, aber ich versuche da auch immer einen gewissen Interpretationsspielraum zu lassen. Aber bei diesem Album war mir ein gewisse positive Grundhaltung wichtig. Das einzige Stück, das da wirklich raus fällt und ich glaube das spürt man auch, ist „Denkmal aus Eisen“. Und das stammt noch von den Sessions zum vorangegangenen Album „So schön anders“. Das ist halt wirklich sehr „dark“, da geht es um Trennung und um die Gefühle, die mich damals sehr beschäftigt haben …

Wo verläuft in Deinen Songs diese Grenze zwischen dem Autobiographischem und dem Geschichten-Erzähler?

Die kann man glaube ich ziemlich klar ziehen. Bei einem Lied wie „Denkmal aus Eisen“ dürfte wohl klar sein, dass es um das Scheitern meiner damaligen Beziehung geht. Aber ansonsten will ich bei meinen Texten eigentlich gar nicht so sehr die Erklärung mitliefern müssen. Manches entsteht einfach aus einer Beobachtung oder einem Gespräch.

Da passiert zum Beispiel einfach eine Diskussion mit Freunden darüber, dass es heute so ziemlich alles „to go“ gibt und dann kommt einfach die Idee zu einem Stück wie „Liebe to Go“ – diese komische Vorstellung Liebe, also das Gefühl, einfach so mitzunehmen und sie dann auch konsumieren zu können wie einen Becher Kaffee. Und dann gibt es wiederum Leute, die das für ein Lied über Prostitution halten. Aber das ist schon okay so.

Adel Tawil und der Koffer in Berlin

Ich finde, dass Dir in „Katsching“ eine wirklich kluge Beobachtung gelungen ist. Mit diesem Satz „Sei Du selbst, nur mit mehr Geld“.

Ich denke, wir leben in einer Welt, in der es für jede Situation irgendeinen Ratgeber gibt. Das ist dieser Selbstoptimierungswahn unter dem wir alle stehen. Nichts ist mehr genug, es muss immer mehr von allem sein, mehr Kohle, mehr Bestätigung. Und das hat Folgen. Zum Beispiel auch für meine Lebenswelt, also das Berlin in dem ich aufgewachsen bin, dem Wedding, in dem mein Vater sein Restaurant hatte und in dem ich auch gearbeitet habe.

Und diese Gegend ist heute eine ganz andere geworden, wo sich die Leute, die diesen Kiez geprägt haben heute gar keine Wohnungen mehr leisten können. Weil inzwischen die „Smarten“ und „Erfolgreichen“ übernommen haben. Und dann gibt es da auch immer einen Selbstoptimierungsratgeber, der einem immer bestätigt, dass der Erfolg auch immer auf diesem „Sei Du selbst“-Grundsatz beruht, wer also durch das Erfolgsraster fällt, der hat sich sich selbst einfach noch nicht gefunden. Und genau da steckt für mich aber auch ein ungeheurer Widerspruch drin.

In dem Song „Hawaii“ heißt es dann ja auch wörtlich „Auf Wiedersehen Berlin“ …

Na ja, Hawaii ist eben ein kompletter Gegenentwurf und ich produziere da ja auch schon seit längerem meine Alben. Und dieser Aloha-Spirit, da ist schon wirklich was dran. Ich bin wirklich kein Esoteriker, aber das ist schon ein anderer Flavour. Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen für immer aus Berlin wegzugehen, aber die Stadt entwickelt sich derzeit so in Richtung Paris oder London, aber den berühmten „Koffer in Berlin“, den wird es bei mir immer geben.

„Ich bin Fan von großen Melodien“

Auf Hawaii hast Du dann ja aber auch eine apokalyptische Erfahrung gemacht – den berüchtigten Atombomben-Alarm im Januar 2018, aus dem dann dein Song „Atombombe“ entstand ..

Genau, auf einmal hatte jeder auf seinem Handy diese Raketenwarnung und wir wussten alle nicht mit dieser Info umzugehen. Also kann es jetzt wirklich sein, dass da draußen der Dritte Weltkrieg losgeht? Und das war der Film … für 38 Minuten. Und dann wurde endlich klar, dass es ein Fehlalarm war. Aber das war schon so eine Situation, die du erst mal verarbeiten musst. In meinem Fall ist dann der Song daraus entstanden.

Abgesehen davon, wie würdest Du Dein neues Album im Vergleich zu den Vorgängern in Hinsicht auf Produktion und Sound einordnen?

Vor allem beim letzten Album „So schön anders“ denke ich, dass ich immer diesen Kompromiss gesucht habe, den Popmusik eigentlich immer so mit sich bringt, also wie weit kann man gehen, ohne dass es zu sperrig wird und wie weit muss man sich selbst da zurücknehmen. Und das fällt bei „Alles lebt“ völlig weg. Ich will immer noch Pop machen, ich bin Fan von großen Melodien und das wird sich auch nicht ändern. Aber ich wollte auch wieder zurück zu diesen urbanen HipHop-Beats, alles ein wenig direkter.

Es fühlt sich vielleicht für die Fans neu an, aber im Grunde ist das wieder ein Weg zurück zu meinen Wurzeln und genau da wollte ich hin. Ich bin auch viel entspannter an „Alles lebt“ herangegangen. Auf den letzten beiden Alben war ich viel angespannter und habe mich selber unter Druck gesetzt, weil ich mich selber unter so einem Erwartungsdruck sah, vor allem nach den Erfolgen von Ich + Ich. Aber ich habe herausgefunden, dass nicht jede Produktion gleich über Leben und Tod entscheidet. Und „Alles lebt“ speist sich auch aus den Erfahrungen vor und während der Produktionszeit. Ich bin da aus einem tiefen Loch wieder herausgekommen. Ich bin einfach nur dankbar für diese Erfahrungen.

Termine von Adel Tawil:
09.01.2020 Rostock, Stadthalle
10.01.2020 Hannover, Swiss Life Hall
11.01.2020 Berlin, Columbiahalle
12.01.2020 Zwickau, Stadthalle
14.01.2020 Erfurt, Messehalle
15.01.2020 Bremen, Pier 2
17.01.2020 Stuttgart, Porsche Arena
18.01.2020 Nürnberg, Arena
19.01.2020 CH-Zürich, Hallenstadion
21.01.2020 Leipzig, Arena
22.01.2020 Frankfurt, Festhalle
23.01.2020 Hamburg, Barclaycard Arena
24.01.2020 Oberhausen, König-Pilsener Arena
26.01.2020 München, Olympiahalle
28.01.2020 Trier, Arena
29.01.2020 Koblenz, CGM Arena
30.01.2020 Neu-Ulm, Ratiopharm-Arena
31.01.2020 AT-Wien, Gasometer
30.05.2020 Schiffweiler, Bergmann Alm
12.06.2020 Köln, Tanzbrunnen
13.06.2020 Kirchheimbolanden, Herrengarten
19.06.2020 Dresden, Junge Garde
20.06.2020 Berlin, Parkbühne Wuhlheide
17.07.2020 Schopfheim, Marktplatz
24.07.2020 Rottweil, Kraftwerk
15.08.2020 Schwerin, Freilichtbühne
22.08.2020 Gießen, Freilichtbühne Schiffenberg
04.09.2020 Bochum, Zeltfestival Ruhr
11.09.2020 Bad Sooden-Allendorf, Kultur- und Kongresszentrum

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Veranstalter: Live Legend

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