Santiano (c) Carsten Klick

Santiano – Axel Stosberg im Interview: „Das wird eine Wundertüte“

Im Sommer reihten sich Santiano mit einem Konzert in der Lübecker Gollan-Werft in die Reihe der „MTV Unplugged“-Künstler ein. Und natürlich geht es mit dem Konzept dann auch auf Tour. Wir haben Axel Stosberg getroffen und mit ihm über die Aufzeichnung und die Tour gesprochen.

Axel, wie fühlt es sich an in einer Reihe mit Grönemeyer, Maffay und Lindenberg genannt zu werden.

Axel Stosberg: Es fühlt sich kaum an, weil es immer noch so weit weg ist, dass man von einem Gefühl kaum reden kann. Es war ein unglaubliches Erlebnis, die Proben und die Vorbereitungen, bis wir in Lübeck aufgezeichnet haben. Das war sensationell und hat tierischen Spaß gemacht. Und auch die Tage nach der Aufzeichnung waren nicht so richtig real. Ich habe ja schon mal gesagt, dass die Erlebnisdichte, die wir als Band haben, so groß ist, dass man Probleme hat, bestimmte Ereignisse und Highlights richtig einzuordnen.

Wir haben das, was in den vergangenen sechs Jahren alles passiert ist, noch gar nicht erfasst. Das kommt vielleicht dann irgendwann mal, wenn man aufgehört hat. Vier Alben, viermal Nummer eins, vier Echos gewonnen, MTV Unplugged gespielt – wie willst du das irgendwann mal noch emotional greifen? Insofern hat das große Frohlocken und Sektkorkenknallen nicht stattgefunden. Das ist vielmehr ein Arbeitsprozess: Da geht man rein, man weiß, was man vorhat und wie viel Arbeit das ist, ein 40-Mann-Orchester in der Gollan-Werft in Lübeck auf die Bühne zu ziehen mit Kameras und allem drum und dran. Da ist noch gar keine Zeit dafür da, das anzufühlen und zu verarbeiten. Das kommt erst viel später, also frag mich in zehn Jahren noch mal.

„Herzzerreißend und unglaublich direkt“

Hast Du einen persönlichen Liebling unter den Unplugged-Künstlern?

Da sind vor allem die ersten Unplugged-Sachen, als MTV noch nicht an Deutschland gedacht hat, hängen geblieben. In Deutschland hat man ja als erstes Eric Clapton mitbekommen, obwohl Paul McCartney, soweit ich weiß, noch früher dran war. Das waren natürlich beeindruckende Momente. Oder als Nirvana das gemacht hat! Das war ja dilettantisch, wie schräg die Musik war – aber es war herzzerreißend und unglaublich direkt.

Doch mit dem digital geschulten Gehör von heute wollen sich die Leute das gar nicht mehr antun, so ein schräges Konzert wäre heute nicht mehr möglich. Solche Sachen aus der Anfangszeit haben mit total beeindruckt. Aber ich muss auch sagen, dass es ein bisschen steril und perfekt geworden ist, ein bisschen zu sehr auf Show und Entertainment gemacht und das rein akustische Musikmachen gerät doch immer weiter in den Hintergrund. Aber es ist immer noch ein gutes Event und immer noch etwas Besonderes.

Wobei die akustische Komponente für Euch von Santiano, die Ihr auch alle irgendwo aus der Folk-Rock-Ecke kommt, ja gar nicht so ein großer Schritt war oder?

Ganz richtig. Wir haben ja sonst auch viele akustische Instrumente auf der Bühne, mal abgesehen vom E-Bass. Insofern war das nicht der Riesenschritt für uns. Die Herausforderung und Besonderheit war vielmehr die Geschichte mit diesem fantastischen Orchester.

War das dann auch die Gelegenheit, sich in Sachen Aufwand mal richtig auszutoben?

Ganz so einfach ist das nicht, MTV hat da ja ganz schön seine Finger drin und redet da bei allem, was man da machen will, mit. Aber unsere Ideen und Wünsche wurden unterschrieben und abgenickt. Wie zum Beispiel Wolf Kerscheck, der Dirigent. Der ist ja auch alter Flensburger und hat sich unter anderem einen großen Ruf mit Arrangements für deutsche Pop-Künstler wie Annett Louisan oder Roger Cicero gemacht. Er war mein Favorit, der es dann zum Glück auch geworden ist und wir hatten eine tolle Zeit.

Die Gäste von Santiano

Musstet Ihr Orchester und Location selber organisieren, oder hat das MTV für Santiano übernommen?

Das mussten wir alles selber machen. Wir haben die Location gesucht und mit Hilfe von Wolf Kerscheck das Orchester zusammengetrommelt.

Die Gäste wie Alligatoah oder Jennifer Haben habt dann auch Ihr ausgesucht?

MTV hat schon zwei, drei Vorschläge gemacht, wen sie gerne sehen würden und drei oder vier haben wir in Absprache mit MTV selber dazu geholt. Aber das hat alles guten Anklang gefunden, unsere Gäste waren alle fantastisch und wir hatten richtig viel Spaß mit ihnen. Und es war toll zu sehen, wie auch gestandene Musiker richtig aufgeregt waren – sehr sympathisch.

Bei Eurer Tournee wird die Produktion dann aber etwas weniger aufwändig sein, oder?

Ja, das werden wir leider so nicht auf die Bühne kriegen. Wir können nicht vier Wochen mit einem 40-Mann-Orchester und sieben Gästen, die selber gerade in den Charts sind, auf Tournee gehen. Aber wir werden eine abgespeckte Version des Orchesters auf der Bühne und ein, zwei Leute permanent als Gäste dabei haben. Und dann wollen wir versuchen in der jeweiligen Region oder Stadt, wo wir gerade spielen, ein bis zwei Gäste von der Aufzeichnung mit an Bord zu holen. Aber das wird eine Wundertüte und eine Überraschung, wen wir dann in welcher Stadt auf der Bühne haben.

Santiano bei MTV Unplugged (c) Carsten Klick

Santiano bei MTV Unplugged (c) Carsten Klick

„Als ob es kein Morgen gibt …“

Habt Ihr dann auch noch weitere Nummern aus Eurem Repertoire auf der Setliste, die Ihr zusätzlich für die Konzerte ins Unplugged-Gewand übertragt?

Nein, wir haben ein ganz klares Programm und das ist für unplugged arrangiert. Die Lieder wurden ja auch verändert, zum Teil auch taktmäßig und nur diese spielen wir. Die digitale Produktion mit Videos und Lichtshow lässt dann leider auch keine spontanen Nummern zu. Heute ist nun mal alles sekündlich digitalisiert und Entertainment ist für das geschulte Auge und das geschulte Ohr nur noch das Komplettpaket. Wie lief zum Beispiel früher der Eurovision Song Contest ab? Da stellte man sich auf die Bühne und sang in Deutsch mit der Gitarre in der Hand. Heute hast du ohne Lichtshow, ohne Lasershow, ohne Tänzer und ohne Kostüm keine Chance mehr zu gewinnen.

Glaubt Ihr, dass sich Euch durch MTV Unplugged auch eine neue Fanbase für Santiano erschließt?

Sagen wir so: Wer MTV guckt, ist im Alter zwischen 30 und 55. Aber MTV möchte durch solche Crossover-Features von Künstlern Kategorien und Publikum vermengen. Wir haben zum Beispiel Wincent Weiss dabei oder Alligatoah – vielleicht interessieren sich ja deren Fans dann für uns und lernen uns kennen. Das ist ja die einzige Möglichkeit, wie man Fanbases vermischen kann – indem man sie entweder zusammen auf ein Festival schickt oder so etwas zusammen machen lässt.

Ihr spielt ja regelmäßig auch auf Wacken …

Das machen wir schon von Anfang an. Die Wacken-Gemeinde hat uns da auch mit offenen Armen empfangen, das war toll. Wir haben da immer das Gefühl, also ob man mit einem Messer zu einer Schießerei geht, wie man so schön sagt. Aber nach drei Liedern feiern die uns ab, als ob es kein Morgen gibt.

Termine Santiano Unplugged:
25.03.2020 Riesa, Sachsen-Arena
26.03.2020 Neubrandenburg, Jahnsportforum
28.03.2020 Hannover, TUI Arena
29.03.2020 Bremen, ÖVB Arena
30.03.2020 Köln, Lanxess Arena
31.03.2020 Oldenburg, Große EWE Arena
02.04.2020 Magdeburg, Getec Arena
03.04.2020 Braunschweig, Volkswagenhalle
04.04.2020 Düsseldorf, ISS Dome
05.04.2020 Stuttgart, Porsche-Arena
07.04.2020 München, Olympiahalle
08.04.2020 Nürnberg, Arena Nürnberger Versicherung
15.04.2020 Leipzig, Arena
16.04.2020 Berlin, Mercedes-Benz Arena
17.04.2020 Rostock, Stadthalle
18.04.2020 Chemnitz, Messe Chemnitz
20.04.2020 Dortmund, Westfalenhalle
21.04.2020 Oberhausen, König-Pilsener-Arena
23.04.2020 Hamburg, Barclaycard Arena
24.04.2020 Kiel, Sparkassen-Arena
25.04.2020 Schwerin, Sport- und Kongresshalle

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Termine Santiano Open Air:
21.05. Bad Segeberg, Freilichtbühne am Kalkberg
22.05. Bad Segeberg, Freilichtbühne am Kalkberg
26.06. Goslar, Freilichtbühne
05.08. Dresden, Junge Garde
27.08. Bielefeld, Ravensberger Park
05.09. Gelsenkirchen, Amphitheater
06.09. Koblenz, Deutsches Eck
11.09. Ralswiek/Rügen, Naturbühne Ralswiek
12.09. Ralswiek/Rügen, Naturbühne Ralswiek

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Veranstalter: Semmel Concerts

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