Kasabian - "For Crying Out Loud"

Kasabian – „For Crying Out Loud“

Die Truppe aus Manchester mit dem kontrovers/subversiven Namen (Linda Kasabian war Mitglied der Manson Family und Fahrerin des Fluchtautos bei den berüchtigten Tate-Morden) war eigentlich immer mehr Kollektiv und Kommune, als klassisches Bandprojekt. Kasabian entwickelten ihren Stil auf einer Farm in der Nähe ihrer Heimatstadt wo sie auch zusammen lebten, um dort die Lieblingselemente ihrer gemeinsamen Plattensammlung zu zum Teil schrägen Song- und Sound-Collagen zusammenzuprökeln. Und so konnte man Air genauso wie Brian Eno raushören, 60ies-Klassiker ebenso wie Motown-Soul und die Madchester-Rave-Tradition war dann der Kitt, der alles zusammenhielt.

Ein Endemisches Problem

Und so blieben sie auch fast ein Jahrzehnt lang ein endemisches Phänomen, aber immerhin waren die Gallagher-Brüder Fans und Liam verpflichtete 2013 sogar ihren Gitarristen Jay Mehler für seine Beady-Eye-Truppe. Im Jahr darauf gelang ihnen dann mit dem „48:13“-Album eine Nummer eins im UK und der späte internationale Durchbruch – und das mit einem Album, das (mal wieder) eine ganz deutliche Electro-Schlagseite hatte, samt Spoken Word-Performances und Konzeptanspruch.  Album Nummer sechs gilt nun als wegweisend für die weiteren Schritte in Richtung Weltherrschaft – und fällt (mal wieder) deutlich anders aus.

Kasabian ruft Revival aus

Hier wird auf einmal das Revival des Gitarren-Pops ausgerufen und das mit Songs, die einen entweder nach den ersten vier Takten gecatcht haben, oder eben nicht. Klingt bei Kasabian erst mal einigermaßen ungewohnt, interessanterweise aber auch so, als hätten sie es nie anders gehalten. Die Single „You’re In Love With A Psycho“ ist da Musterbeispiel und Blaupause (wenn auch relativ arm an Gitarren) und auch bei den restlichen elf Songs sind stilistische Schlenker und experimentelle Brüche Mangelware. Wer einen Einstieg ins Kasabian-Œuvre suchte, ist hier perfekt beraten und man fragt sich, was sie eigentlich so lange aufgehalten hat. Die konnten das anscheinend schon immer – jetzt wollen sie endlich.

(SONY MUSIC, 5.5.)

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