Richard OBriens Rocky Horror Show


Es gibt diese Erfolgsgeschichten, die lassen sich nicht restlos erklären. Prinzipiell geht es darum, mit der richtigen Idee zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und ein bisschen Glück gehört auch dazu. Im Fall von Richard O'Brien und seiner "Rocky Horror Show“ fielen diese Faktoren bekanntlich aufs Überraschendste zusammen, dass der Kult um das Grusical aber auch nach über vier Jahrzehnten ungebrochen weiterlebt, ist (und bleibt) ein popkultureller Ausnahmefall, der sich einer abschließenden Analyse entzieht. Wunder geschehen eben manchmal einfach ... in diesem Sinne erst mal ein kleiner Time Warp.

Im Winter 1972/73 hat der Schauspieler und Musiker Richard O'Brien einen echten Tiefpunkt erreicht. Der Neuseeländer hatte Ende der 60er-Jahre seine Heimat verlassen, um in London sein Glück zu suchen, aber viel ist bislang nicht rumgekommen. Nun sitzt er pleite, frierend und ohne Aussicht auf ein Engagement in seinem schäbigen Zimmer und versucht sich irgendwie selbst zu beschäftigen. Also beginnt er zu schreiben und zu komponieren und lässt sich von dem inspirieren, was er schon immer geliebt hat: den Horror- und SciFi-B-Movies der 30er-, 40er- und 50er-Jahre. Außerdem hat er in London den unglaublichen Aufstieg von David Bowie erlebt, der mit seinem Ziggy Stardust eine ebenso schillernde wie kontroverse Figur geschaffen hat, die mit androgynem Glamour die traditionellen sexuellen Identitäten auflöst – ein Wesen wie von einem anderen Stern ... Transsexual Transylvania. Der resultierende, an sich völlig irre Musical-Crossover gefällt wider Erwarten dem befreundeten Regisseur Jim Sharman, der das Stück tatsächlich auf die Bühne bringt. O'Brien übernimmt auch gleich Part des Riff Raff und auch Tim Curry ist als Frank-N-Furter von Anfang an mit dabei. Die Uraufführung findet am 16. Juni 1973 auf der Studiobühne des Royal Court Theaters vor 63 Zuschauern statt.

Gut ein Jahr später hat sich "The Rocky Horror Show“ zum Underground-Geheimtipp des Londoner Westends gemausert, als überraschend auch ein Filmstudio anklopft. O'Brien, Curry und ein Großteil der Original-Bühnenbesetzung stehen unter der Regie von Sharman also plötzlich in den Londoner Bray-Studios (wo auch viele der in "Rocky ...“ zitierten Lieblingsfilme von O'Brien entstanden sind) vor der Kamera und am 14. August 1975 feiert "The Rocky Horror Picture Show“ im Rialto Theater in London seine Leinwand-Premiere. Der Film läuft eher schlecht, erobert aber eine kleine, hartnäckige Fangemeinde, die sich den Streifen immer und immer wieder ansieht. Im April '76 landet schließlich eine Kopie im Waverly Theater in New York, wo er augenblicklich zum Lieblingsfilm der dortigen Queer- und Dragqueen-Szene avanciert. Am 24. Juni 1977 läuft der Film zum ersten Mal in den Münchener Museum Lichtspielen und das tut er seitdem ununterbrochen bis heute, inzwischen sogar im eigens dekorierten Vorführsaal – absoluter Weltrekord. Und hier findet sie dann auch endgültig statt, die Geburt des "Größten Kultfilms aller Zeiten“. Denn hier geschieht, wie in Ansätzen auch schon in New York, etwas ganz Erstaunliches und Neues: Das Publikum gibt seine passive Rolle als Zuschauer auf und wird aktiver Bestandteil der Vorstellung. Es beginnt mit dem Mitsingen der Songtexte, dann tauchen die ersten Fans in Kostüm und Make Up ihrer Lieblingsfiguren auf und schließlich entwickelt sich eine Art interaktive Fan-Choreographie, bei der unter anderem Wasserpistolen, Zeitungen, Reis, Knicklichter, Toastbrotscheiben und Toilettenpapierrollen zum Einsatz kommen – wer "Rocky ...“ nur aus vom Heimkino kennt, der hat den Film noch nicht wirklich gesehen, oder besser gesagt erlebt.

Der Kinokult hatte schließlich noch einen weiteren, höchst erfreulichen Nebeneffekt, "Die Rocky Horror Show“ kehrt wieder dorthin zurück wo alles begann: Auf die Theaterbühnen! Und das nicht weniger erfolgreich als der nunmehr superlegendäre Kino-Kulthit, denn inzwischen haben über 20 Millionen begeisterte Zuschauer den fröhlich makabren und sexy Irrsinn im Frankenstein Place auch live auf der Bühne erlebt. Und O'Brien hat seinen Geniestreich immer klug und verantwortungsvoll verwaltet und niemals Lizenzen für zweitklassige Rip-Offs verramscht – und auch diese Bühnen-Adaption trägt nicht umsonst den Namen ihres Schöpfers im Titel, denn er hat sie höchstselbst autorisiert. Regisseur Sam Buntrock entwickelte diese Inszenierung unter dem Augenmerk O'Briens bereits 2008 und seitdem darf sie als absolute Referenz gelten. Buntrock beschwört den anarchischen Geist der Ur-Fassung, aber wo damals Budget-bedingte Produktionskompromisse eingegangen werden mussten, kann heute so richtig geklotzt werden. Das umspannt alle Aspekte von Bühnenbild, Kostüm, Lichtdesign, Besetzung, Band und Soundsystem und so entfaltet die Bühnenversion eine Opulenz (und einen Spaßfaktor), die selbst dem Film (der ja eigentlich ebenfalls ein vergleichsweise günstig produzierter B-Movie war) vorenthalten blieb. Und diesmal ist den Produzenten sogar ein besonderer Besetzungs-Coup gelungen, denn den mysteriösen "Erzähler“ gibt hier der großartige Sky du Mont – jemand sollte Richard O'Brien übrigens mal fragen, wie diese Figur eigentlich zu ihrem lückenlosen Informationsstand gekommen ist ... egal. Du Mont sticht aber gar nicht weiter heraus, denn auch die weitere Besetzung ist handverlesen und absolut ebenbürtig. Unverzichtbar ist für die wahre "Rocky“-Erfahrung ist selbstredend das optional erwerbliche Fanpack (samt Anleitung) und dann darf sie auch schon losgehen, die bis heute einmalige Kollektiv-Sause, die inzwischen bereits die dritte Fan-Generation begeistert. Und danach könnte man dann noch glücklich, ausgepumpt und mit verschmiertem Make Up bei einem Gläschen Schampus darüber diskutieren, wie der Welt erstes und einziges Horror/B-Movie/Burlesque/Queer/Rock'n'Roll-Musical zum zeitlosen Pop-Klassiker werden konnte. Die Antwort kennt wohl nicht mal der "Erzähler“, was bleibt ist das Wunder – Bad, bizarre and bloody brilliant …

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Es gibt diese Erfolgsgeschichten, die lassen sich nicht restlos erklären. Prinzipiell geht es darum, mit der richtigen Idee zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und ein bisschen Glück gehört auch dazu. Im Fall von Richard O'Brien und seiner "Rocky Horror Show" fielen diese Faktoren bekanntlich aufs Überraschendste zusammen, dass der Kult um das Grusical aber auch nach über vier Jahrzehnten ungebrochen weiterlebt, ist (und bleibt) ein popkultureller Ausnahmefall, der sich einer abschließenden Analyse entzieht. Wunder geschehen eben manchmal einfach ... in diesem Sinne erst mal ein kleiner Time Warp.

Im Winter 1972/73 hat der Schauspieler und Musiker Richard O'Brien einen echten Tiefpunkt erreicht. Der Neuseeländer hatte Ende der 60er-Jahre seine Heimat verlassen, um in London sein Glück zu suchen, aber viel ist bislang nicht rumgekommen. Nun sitzt er pleite, frierend und ohne Aussicht auf ein Engagement in seinem schäbigen Zimmer und versucht sich irgendwie selbst zu beschäftigen. Also beginnt er zu schreiben und zu komponieren und lässt sich von dem inspirieren, was er schon immer geliebt hat: den Horror- und SciFi-B-Movies der 30er-, 40er- und 50er-Jahre. Außerdem hat er in London den unglaublichen Aufstieg von David Bowie erlebt, der mit seinem Ziggy Stardust eine ebenso schillernde wie kontroverse Figur geschaffen hat, die mit androgynem Glamour die traditionellen sexuellen Identitäten auflöst – ein Wesen wie von einem anderen Stern ... Transsexual Transylvania. Der resultierende, an sich völlig irre Musical-Crossover gefällt wider Erwarten dem befreundeten Regisseur Jim Sharman, der das Stück tatsächlich auf die Bühne bringt. O'Brien übernimmt auch gleich Part des Riff Raff und auch Tim Curry ist als Frank-N-Furter von Anfang an mit dabei. Die Uraufführung findet am 16. Juni 1973 auf der Studiobühne des Royal Court Theaters vor 63 Zuschauern statt.

Gut ein Jahr später hat sich "The Rocky Horror Show" zum Underground-Geheimtipp des Londoner Westends gemausert, als überraschend auch ein Filmstudio anklopft. O'Brien, Curry und ein Großteil der Original-Bühnenbesetzung stehen unter der Regie von Sharman also plötzlich in den Londoner Bray-Studios (wo auch viele der in "Rocky ..." zitierten Lieblingsfilme von O'Brien entstanden sind) vor der Kamera und am 14. August 1975 feiert "The Rocky Horror Picture Show" im Rialto Theater in London seine Leinwand-Premiere. Der Film läuft eher schlecht, erobert aber eine kleine, hartnäckige Fangemeinde, die sich den Streifen immer und immer wieder ansieht. Im April '76 landet schließlich eine Kopie im Waverly Theater in New York, wo er augenblicklich zum Lieblingsfilm der dortigen Queer- und Dragqueen-Szene avanciert. Am 24. Juni 1977 läuft der Film zum ersten Mal in den Münchener Museum Lichtspielen und das tut er seitdem ununterbrochen bis heute, inzwischen sogar im eigens dekorierten Vorführsaal – absoluter Weltrekord. Und hier findet sie dann auch endgültig statt, die Geburt des "Größten Kultfilms aller Zeiten". Denn hier geschieht, wie in Ansätzen auch schon in New York, etwas ganz Erstaunliches und Neues: Das Publikum gibt seine passive Rolle als Zuschauer auf und wird aktiver Bestandteil der Vorstellung. Es beginnt mit dem Mitsingen der Songtexte, dann tauchen die ersten Fans in Kostüm und Make Up ihrer Lieblingsfiguren auf und schließlich entwickelt sich eine Art interaktive Fan-Choreographie, bei der unter anderem Wasserpistolen, Zeitungen, Reis, Knicklichter, Toastbrotscheiben und Toilettenpapierrollen zum Einsatz kommen – wer "Rocky ..." nur aus vom Heimkino kennt, der hat den Film noch nicht wirklich gesehen, oder besser gesagt erlebt.

Der Kinokult hatte schließlich noch einen weiteren, höchst erfreulichen Nebeneffekt, "Die Rocky Horror Show" kehrt wieder dorthin zurück wo alles begann: Auf die Theaterbühnen! Und das nicht weniger erfolgreich als der nunmehr superlegendäre Kino-Kulthit, denn inzwischen haben über 20 Millionen begeisterte Zuschauer den fröhlich makabren und sexy Irrsinn im Frankenstein Place auch live auf der Bühne erlebt. Und O'Brien hat seinen Geniestreich immer klug und verantwortungsvoll verwaltet und niemals Lizenzen für zweitklassige Rip-Offs verramscht – und auch diese Bühnen-Adaption trägt nicht umsonst den Namen ihres Schöpfers im Titel, denn er hat sie höchstselbst autorisiert. Regisseur Sam Buntrock entwickelte diese Inszenierung unter dem Augenmerk O'Briens bereits 2008 und seitdem darf sie als absolute Referenz gelten. Buntrock beschwört den anarchischen Geist der Ur-Fassung, aber wo damals Budget-bedingte Produktionskompromisse eingegangen werden mussten, kann heute so richtig geklotzt werden. Das umspannt alle Aspekte von Bühnenbild, Kostüm, Lichtdesign, Besetzung, Band und Soundsystem und so entfaltet die Bühnenversion eine Opulenz (und einen Spaßfaktor), die selbst dem Film (der ja eigentlich ebenfalls ein vergleichsweise günstig produzierter B-Movie war) vorenthalten blieb. Und diesmal ist den Produzenten sogar ein besonderer Besetzungs-Coup gelungen, denn den mysteriösen "Erzähler" gibt hier der großartige Sky du Mont – jemand sollte Richard O'Brien übrigens mal fragen, wie diese Figur eigentlich zu ihrem lückenlosen Informationsstand gekommen ist ... egal. Du Mont sticht aber gar nicht weiter heraus, denn auch die weitere Besetzung ist handverlesen und absolut ebenbürtig. Unverzichtbar ist für die wahre "Rocky"-Erfahrung ist selbstredend das optional erwerbliche Fanpack (samt Anleitung) und dann darf sie auch schon losgehen, die bis heute einmalige Kollektiv-Sause, die inzwischen bereits die dritte Fan-Generation begeistert. Und danach könnte man dann noch glücklich, ausgepumpt und mit verschmiertem Make Up bei einem Gläschen Schampus darüber diskutieren, wie der Welt erstes und einziges Horror/B-Movie/Burlesque/Queer/Rock'n'Roll-Musical zum zeitlosen Pop-Klassiker werden konnte. Die Antwort kennt wohl nicht mal der "Erzähler", was bleibt ist das Wunder – Bad, bizarre and bloody brilliant …



Tourneen:

Richard O’Brien’s Rocky Horror Show - Musical
Richard O´Brien´s Rocky Horror Show
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