Ben Kowalewicz von Billy Talent (c) Birgit Stelzer

Billy Talent live in München

Ein bisschen ruhiger ist er schon geworden: Bei vorangegangenen Billy Talent Konzerten konnte man Frontmann Ben Kowalewicz auf beeindruckende Art und Weise als menschliches Chamäleon erleben, indem jedes Mal, wenn seine Stimme kippte und er anfing zu kreischen, seine Gesichtsfarbe in ein leuchtendes Puterrot wechselte. Mediziner nennen das Bluthochdruck, und gesund ist das nicht, insofern ist es sehr gut, dass er sich nicht mehr gar so aufregt.

Ein gutes Stück zurückgenommener wirkt nicht nur er, sondern die ganze Band, was sicher nichts damit zu tun hat, dass die Musiker langsam in die Jahre kommen, sondern vielmehr der MS-Erkrankung des Schlagzeugers Aaron Solowoniuk (den Ersatzmann gab ganz großartig Jordan Hastings) und den Inhalten der Stücke auf der neuen Platte geschuldet ist: Zwischen dem Vorgängeralbum „Dead Silence“ und dem jetzigen „Afraid of Heights“ liegen vier Jahre, in denen sich die Band offensichtlich sowohl mit ihren eigenen inneren Dämonen als auch mit dem Wandel der Gesellschaft befasst hat.

Billy Talent liebt sie alle!

Auf die aktuelle politische Lage übertragen, beweisen Billy Talent mit Stücken wie „Leave them all behind“ eine gewisse Hellsichtigkeit: „Tired of all the promises and never coming through, it’s easy to pretend until they turn their back on you.“ Dass die vier Kanadier keine Fans des designierten US-Präsidenten sind, machen sie in einer Ansprache nach dem fünften Stück klar, doch sollte man einem Populisten wie Donald Trump am besten nicht mit Wut, sondern mit Liebe und Toleranz begegnen: „It doesn’t matter if you’re black or white or transgender or homosexual or Democrat or Republikan or whatever – we love you all!“

A Punkrocker is a Punkrocker

Wir lieben euch auch, Ben, Ian, Jonathan und Jordan, ihr seid die Guten – und eine verdammt gute Show habt Ihr wie gehabt drauf. (Selbst die Arbeit im Fotograben war ein echtes Vergnügen!) Und wenn auch die musikalische Richtung von Billy Talent langsam eher in Richtung Alternative Rock geht, gilt weiterhin die (leicht abgewandelte) Aussage von Frau Gertrude Stein: „A Punkrocker is a Punkrocker is a Punkrocker“. Go ahead, Billy!

>Konzert am 29.11. im Zenith in München

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