Brian Wilson (c) Frank Vetter

Brian Wilson live in Frankfurt – Unschlagbar gut

Von Axel Koch. Wenn Brian Wilson mit einer zehn Mann starken Band in der so traditionsreichen wie futuristischen Jahrhunderthalle in Frankfurt spielt, dann darf man davon ausgehen, dass alle Register gezogen werden, die Popmusik zum Lebensinhalt machen. Bereits am Eingang wird man von einem Fan mit dem Transparent empfangen, das da lautet: “Brian Wilsons Musik kann das gefrorene Meer in Euch zum schmelzen bringen.” Und das Publikum ist auch bereit dazu! Als Brian Wilson die Bühne betritt, steht das gesamte Auditorium auf und applaudiert. Standing ovations VOR dem ersten Song.

So groß wie Pop nur sein kann

Brian Wilson (c) Frank Vetter

Und während sich Brian Wilson an den Flügel und das Publikum auf seine Plätze setzt, eröffnet der Meister das Konzert in seiner entwaffnenden Art: “Here’s a good song.” Was folgt, ist ganz einfach zu umschreiben: Einer der besten Pop-Komponisten der Geschichte spielt einen “good song” nach dem anderen – was bei seinem Œuvre allerdings nur Understatement sein kann. In Wirklichkeit ist es so groß wie Pop nur sein kann. Großes Kino ist das falsche Wort, Kirche beschreibt es vielleicht eher. Die zehnköpfige Band, die eigentlich eine 20-köpfige ist, da drei der Musiker noch drei weitere Instrumente spielen, einschließlich Posaune, Trompete und Klarinette, spielt nicht nur wie ein fein abgestimmtes Pop-Orchester, das jede Note auf dem Goldtablett serviert. Sie stimmt darüber hinaus mitunter zehnstimmige Harmoniegesänge in bester Beach-Boys-Manier an, die wie eine warme Welle über das Publikum hinweg rollen.

Brian Wilson mit Soul und Leidenschaft

Mit von der Partie ist auch Alan Jardine, Gründungsmitglied der Beach Boys, der neben Brian Wilson durch seine markante Stimme kongenial dazu beiträgt, dass man die originalen Beach Boys zu hören vermeint. Mit dabei auch sein Sohn Matt Jardine, der wiederum die Stimme von Brians verstorbenem Bruder Carl Wilson grandios wiedergibt. Und der macht seine Sache so gut, dass er theoretisch sämtliche Leadvocals übernehmen könnte. Aber das macht er natürlich nicht, denn im Mittelpunkt des Geschehens steht schließlich Brian, der seine Songs mit viel Soul und Leidenschaft singt, und nach zehn Jahren sogar eher stärker klingt als beim 40-jährigen Jubiläum von “Pet Sounds”.

Das Raumschiff surft dahin

Nach der Pause schreitet man tatsächlich noch ein paar Stufen weiter hinauf in den Pop-Himmel, wenn die Band das komplette Album zum inzwischen 50.Jubliäum spielt. Wieder stimmt einfach alles, und schließlich ist das Eis in der Jahrhunderthalle bis auf den letzten Würfel geschmolzen. Und es geht noch weiter: Bei “Surfin USA” und “Fun Fun Fun” strömt das Publikum aus dem bestuhlten Auditorium nach vorn an die Bühne. Und die Frankfurter Jahrhunderthalle, die jetzt eigentlich ein umgebautes Raumschiff ist, surft mit Volldampf durch der Milchstraße.

>Konzert am 19.07. in der Jahrhunderthalle in Frankfurt

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